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Politik

NRW: Jörn Freynick (FDP, MdL), Sprecher für LSBTI*, setzt sich für den Fortbestand queere Projekte ein

Jörn Freynick, FDP NRW

dd. Jörn Freynick (* 6. 10. 1982 in Bonn) ist Abgeord-neter im Landtag Nordrhein-Westfalen und Sprecher für LSBTI*. FRESH sprach mit ihm über aktuelle queere Politik in NRW und die weitere Förderung von Projekten.

Herr Freynick, die queere Senior*innenarbeit wird in NRW weiter gefördert. Was waren Ihre Beweggründe, sich dafür starkzumachen und sie für NRW zu erhalten?

Für mich als Freier Demokrat ist die Förderung und Unterstützung einer diversen und freien Gesellschaft ein Kernelement unserer politischen Überzeugung. Diese Haltung haben wir auch erfolgreich in unserem Koalitionsvertrag gemeinsam mit der CDU festgehalten. Darin erkennen wir an, dass Homo- oder Bisexuelle, Transgender oder Intersexuelle auch heute noch oft vor einer schwierigen „Coming-out“-Phase stehen. Wir haben uns darum mit der CDU darauf verständigt, Aufklärungs- und Toleranzprojekte in den Schulen und der Jugendarbeit, aber auch Projekte für Senioren zu unterstützen. Es stand in meinen Augen daher immer außer Frage, dass das Rubicon und die Fachberatungsstelle ihren Teil zu diesen gesellschaftlichen Zielen leisten. Über die hervorragende Arbeit für lesbische und schwule Senior*innen durfte ich mir bereits mehrere Male bei persönlichen Besuchen im Rubicon e.V. in Köln ein Bild machen.

Sind Sie überzeugt von der Idee, dass ältere LSBT stärker berücksichtigt werden in der Seniorenarbeit?

In NRW gibt es rund 250.000 Lesben und Schwule über 65 Jahre, Tendenz steigend aufgrund des demographischen Wandels. Im Alter und gerade ganz aktuell auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie steigt auch die Gefahr der Einsamkeit. Zusätzlich sind nicht wenige der betroffenen Menschen, die die Hilfe der Landesfachberatung ersuchen, eben jene Menschen, die unter dem alten Paragraphen 175 spürbar gelitten haben. Aus diesen Erfahrungen haben sich bei diesen Menschen Sicht- und Verhaltensweisen entwickelt, die nicht von der klassischen Senior*innenarbeit abgedeckt werden können und somit besonderer Förderung bedürfen.

Wie konnten Sie Ihre Fraktion von der Bedeutung überzeugen, weiter zu fördern? Welche Postition hatte dabei ihr Parteikollege und stellvertretende Ministerpräsident Joachim Stamp?

Gemeinsam mit meinen Kolleg*innen der FDP-Landtagsfraktion haben wir uns von Anfang an für den Erhalt der Landesfachberatung stark gemacht. Es war daher keinerlei Überzeugungsarbeit notwendig, innerhalb meiner Fraktion die notwendige Rückendeckung zu erhalten. Dies schließt natürlich auch Minister Dr. Joachim Stamp ein, der auch als Landtagsabgeordneter Mitglied der FDP-Fraktion ist und mich bei diesem Vorhaben tatkräftig unterstützte.

Wie wichtig ist Ihnen die neue Erweiterung, dass die Altersarbeit auch für trans*- Menschen möglich wird?

Wir wissen derzeit noch nicht einmal, wie viele trans*-Menschen in NRW jenseits des 65. Lebensjahres leben. Daher besteht hierbei großer Nachholbedarf, der meiner Meinung nach mithilfe der Politik unterstützt werden sollte. Denn die gleichen Herausforderungen treffen auch hier zu: Gefahr der zunehmenden Einsamkeit sowie gesellschaftlicher Isolation und die traumatischen Erfahrungen durch den alten Paragraphen 175.

Hat die Finanzierung (ca. 160.000 €) wieder das Laumann-Ministerium bekommen? Hier wurde die Förderung im Altenförderplan ja zunächst abgelehnt. Oder handelt es sich um einen Sondertopf der FDP-Fraktion?

Am 10. Dezember 2020 hat der Haushaltsausschuss des Landtags einem entsprechenden FDP-Haushaltsänderungsantrag zur Förderung der „Fachberatung Gleichgeschlechtliche Lebensweisen in der offenen Senior*innenarbeit NRW“ mehrheitlich zugestimmt. Die Finanzierung erfolgt weiterhin über das NRW-Gesundheitsministerium, da der Bereich LSBTIQ* auf Ebene der Landesregierung als Querschnittsthema erachtet und daher in den jeweiligen Fachressorts behandelt wird.

Wie kann man das Ganze nachhaltig gestalten? Sprich, wie kann man das Thema ältere LSBT bzw. Diversity und Alter fest verankern, ähnlich wie z.B. die Anti-Gewalt-Arbeit?

Die Zielgruppe der LSBTIQ* muss mittelfristig fester Bestandteil der Senior*innenarbeit werden. Denn die Zielgruppe wird durch die alternde Gesellschaft in den kommenden Jahren größer werden. Wir wollen uns als FDP-Fraktion darum über die laufende Legislaturperiode hinaus dafür einsetzen, dass die klassische Senior*innenarbeit die LSBTIQ*-Personen, ihre Sicht- und Verhaltensweisen sowie ihren besonderen Förderungsbedarf stärker berücksichtigen wird, damit auch auf deren Wünsche und Bedürfnisse gezielter eingegangen werden kann. Durch Aufklärungsarbeit in der Senior*innenarbeit sollen sie zudem mehr Toleranz und Respekt erfahren.

Sind Kürzungen in der Förderung von queeren Projekten und Beratungsangeboten in NRW in kommenden NRW-Haushalten in Bezug auf Sparmaßnahmen wegen der Corona-Krise zu erwarten?

Die öffentlichen Haushalte werden durch die Corona-Pandemie sicherlich in ihrer ausreichenden Auskömmlichkeit herausgefordert werden. Ungeachtet dessen müssen sich alle politisch Verantwortlichen die Frage stellen, ob eine Kürzung von queeren Projekten und Beratungsangeboten letztendlich nicht zu viel größeren finanziellen Folgekosten führen wird. Daher wäre es aus meiner Sicht sehr unklug, künftig hier den Rotstift ansetzen zu wollen.
In den letzten Jahren haben wir in NRW genau das Gegenteil gemacht. Wir haben deutlich mehr Geld in die Hand genommen. So werden die psychosozialen Beratungsstellen seit dem Haushaltsjahr 2019 endlich auskömmlich finanziert. Im Kinder- und Jugendförderplan für LSBTI*-Jugendarbeit wurde eine Förderposition implementiert. Hierdurch wurden viele bisher befristete Projekte in eine dauerhafte Förderung überführt. Dort sogar mit jährlicher Evaluation und unter Berücksichtigung einer Steigerungsquote.

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