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“Wir fordern eine Antidiskriminierungsstelle”

Neo Argiropoulos und Lilith Raza vom neuen Vorstand des Queeren Netzwerks NRW am Mahnmal verfolgter Homosexueller am Kölner Rheinufer.

 Ein Interview mit Lilith Raza und Neo Argiropoulos vom neuen Vorstand des Queeren Netzwerks NRW

dd. Das Schwule Netzwerk heißt seit einem Jahr Queeres Netzwerk. Was hat sich seitdem getan, wie sieht die Bilanz des ganz neuen Vorstands aus? FRESH sprach mit Lilith Raza und Neo Argiropoulos vom neuen Vorstand des Queeren Netzwerks NRW

Das Queere Netzwerk hat sich unter neuem Namen zu neuen Ufern aufgemacht. Was wurde auf den Weg gebracht, wie sieht Eure Bilanz nach einem Jahr aus?

Neo Argiropoulos: Genau genommen ist unsere Verbandsentwicklung ja schon viel länger als ein Jahr in Arbeit und hält auch weiter an. Denn bei der Entwicklung vom Schwulen zum Queeren Netzwerk geht es natürlich nicht darum, einen Schalter umzulegen, sondern sorgfältig zu reflektieren: Wo kommen wir her, und wo wollen wir hin? Was wollen wir uns aus unserer Verbands-DNA erhalten? Was wollen wir neugestalten?

Ein paar wichtige Schritte haben wir in diesem Jahr getan: Wir haben einen neuen Namen und eine neue Satzung, die die Vielfalt unserer Communities abbilden. Wir haben ein Leitbild verabschiedet, das diese Ziele festhält und haben im November neue Kriterien für eine queere Kompassnadel verabschiedet.
Aber die Reise geht natürlich weiter. Große Themen, denen wir uns aktuell widmen, sind z.B.: Welche Teile der LSBTIAQ*-Communities sind in unserer Mitgliedschaft noch nicht oder zu wenig vertreten? Wie kann ein Schutzkonzept zur Prävention sexualisierter Gewalt in unserem Verband aussehen? Wie werden wir auf allen Ebenen zu einer rassismuskritischen Struktur?

Beim Verschmelzungsprozess von Netzwerk und LAG Lesben in NRW vor zwei Jahren gab es für alle überraschend keine Kooperation. Sind die Wunden – auch durch die personellen Neuaufstellungen – wieder ge-heilt? Wie ist die Zusammenarbeit mit den Landesverbänden heute, auch zum LSVD NRW?

Lilith Raza: Auf Ebene von Geschäftsführung und Vorständen verbindet uns mit der LAG Lesben eine enge Zusammenarbeit, die sich ja auch in unseren vielen gemeinsamen Projekten wiederspiegelt. StadtLandQueer/Gay*Com, gemeinsame Projektförderung und das Gedenken an die queeren Opfer des Nationalsozialismus sind nur einige Kooperationen, bei denen wir die Zusammenarbeit sehr schätzen.

Mit den anderen queeren Landesverbänden – dem Netzwerk Geschlechtliche Vielfalt Trans*, dem LSVD und auch der Aidshilfe NRW – arbeiten wir ebenfalls eng zusammen. Welche Form diese Zusammenarbeit annimmt, ist bei allen Verbänden unterschiedlich. Besonders eng sind wir vor allem auch über unsere Landeskoordination Trans* mit dem Netzwerk Geschlechtliche Vielfalt Trans* verbunden.
Aktuell konnten wir z.B. am Rückmeldungsprozess zum queeren Aktionsplan der Landesregierung wieder ablesen, wie wichtig und wertvoll Zusammenarbeit und gemeinsames Auftreten der Verbände sind. Hier haben wir gemeinsam den Austausch mit unseren Mitgliedern gesucht, Kritik und Ausbaubedarf formuliert und Gespräche mit unseren politischen Vertreter*innen gesucht.

Welche Projekte und Strukturen werden personell und inhaltlich weiter ausgebaut? Könnt Ihr am Beispiel der Trägerschaft von SCHLAU NRW verdeutlichen, wohin die Entwicklung gehen soll?

Neo Argiropoulos: Grundsätzlich haben wir nach wie vor Entwicklungsbedarf an zwei Stellen: Bei Absicherung und Ausbau der bestehenden Angebote und beim Aufbau von Mindeststrukturen an Stellen, an denen Bedarfe bisher rein ehrenamtlich gedeckt sind.
Ein wunderbares Beispiel dafür, wie die Verankerung queerer Themen im „Mainstream“ eine solche Absicherung bringen kann, sind die Fachstelle Queere Jugend und das Netzwerk SCHLAU NRW. Mit einem Wechsel in der Förderung von SCHLAU, der zum Jahreswechsel ansteht, sind sie beide Teil des Kinder- und Jugendförderplans. Das ist ein wichtiges Zeichen, denn LSBTIAQ*-Themen müssen selbstverständlicher Teil der Arbeit in allen Ressorts werden!

In anderen Bereichen sind wir gerade erst an dem Punkt, Angebote, die über lange Jahre ehrenamtlich getragen und erkämpft wurden, in eine hauptamtliche Förderung zu bringen. Das betrifft z.B. unsere neu eingerichtete Fachstelle Regenbogenfamilien.

Es sind bald Landtagswahlen in NRW. Was würdet Ihr euch von der Politik wünschen?

Lilith Raza: Hier haben wir mit Bezug auf den bereits erwähnten Aktionsplan sehr klare Forderungen aufgestellt. Es handelt sich um elf Handlungsbereiche, die wir auch im Landtagswahlkampf stark machen werden. Um zwei Bereiche herauszugreifen: Wir fordern die Einrichtung einer landesweiten Antidiskriminierungsstelle und den adäquaten Ausbau der psychosozialen Beratung für LSBTIAQ*.

Eine Antidiskriminierungsstelle ist wichtig als zentrale Institution, die intersektional aufgestellte Antidiskriminierungspolitik in allen Bereichen NRWs voranzubringen. Sie wäre außerdem eine wichtige Beratungs- und Beschwerdestelle für alle, die – aufgrund verschiedener Merkmale und häufig auch aufgrund von Mehrfachzugehörigkeiten – Diskriminierung erfahren.
Psychosoziale Beratung ist ein Herzstück der Arbeit für und in unseren Communities. Denn wir wissen, dass die Diskriminierungserfahrungen, die wir als LSBTIAQ* machen, starke Auswirkungen auf unser alltägliches Leben und die psychische Gesundheit haben. Es gibt bereits viele Stellen in NRW, die wunderbare Arbeit in diesem Bereich leisten, aber die Strukturen sind alles andere als ausreichend. Vor allem im ländlichen und kleinstädtischen Bereich: Es kann nicht sein, dass Menschen z.T. stundenlange Fahrten auf sich nehmen müssen, um eine Beratungsstelle aufzusuchen. Hier brauchen wir flächendeckende Versorgung und ggf. auch mobile Angebote.

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