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HIV-Therapie: PrEp PrEp-Hurra?

Die Einnahme von HIV-Medikamenten vor dem Sex wirkt, aber es gibt auch Probleme. Ein Überblick

cs. Inzwischen ist die Botschaft bei denen, die es betrifft, angekommen: Die PrEp, also die Einnahme von HIV-Medikamenten durch HIV-Negative vor Sexdates, verhindert eine mögliche Infektion beim Sex mit einer HIV-positiven Person, selbst wenn man dabei das Kondom weglässt. Im Jahr 2020 nutzten geschätzte 15.600 bis 21.600 Menschen diese Möglichkeit des Schutzes, entweder per dauerhafter Einnahme (81 %) oder bei Bedarf (19 %). 99 Prozent der Prep-User sind Männer, die mit Männern Sex haben (MSM). Insgesamt gab es statistisch nur 0,08 HIV-Infektionen pro 100 Prep-Usern.

Insgesamt also ein erfreulicher Verlauf eines neuen Ansatzes bei der Prävention, den der ehemalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in der vergangenen Legislaturperiode mit auf den Weg gebracht hatte. So sieht es auch die Deutsche Aids-Hilfe (DAH), die bei ihrem Presseworkshop Ende April die genannten Zahlen vorstellte. Allerdings glänzt nicht alles so schön bei der PrEP, wie es bei der Kondom-Nutzung, dem bisherigen „Goldstandard“ der Prävention, der Fall ist. Denn schaut man in andere Länder, entdeckt man eine weitaus höhere Zahl von PrEP-Nutzern. In Frankreich beispielsweise sind es ca. 32.000 Menschen. Es macht also Sinn, sich die Strukturen in Deutschland anzuschauen, unter denen eine PrEP derzeit möglich ist.

Bei den HIV-Neuinfektionen im Jahr 2020 sind 55 Prozent MSM, 19 Prozent sind intravenöse Drogennutzende, und 26 Prozent der Fälle finden sich bei Heterosexuellen. Die im Bundesmantelvertrag festgelegten Vorgaben, wer anspruchsberechtigt ist für eine PrEP-Therapie und damit auch die Kosten durch die Krankenkasse bezahlt bekommt, schließt Drogengebraucher und heterosexuell Aktive nicht aus, im Gegenteil. Doch es liegt nicht nur an den Kampagnen von DAH und Co., die ihre Zielgruppe MSM über die Möglichkeiten der PrEP informiert haben, dass fast nur schwule Männer davon Gebrauch machen. Die Hürden liegen laut DAH auf Seiten der Ärzte.

Wer in Pforzheim die PrEP haben möchte, muss bis Stuttgart reisen, um eine kompetente Praxis zu finden, die da mitmacht. Das begleitende Screening mit regelmäßigen Testungen zu sexuell übertragbaren Krankheiten macht mehrmalige Tagesausflüge notwendig. Einen Termin zu bekommen ist nicht so einfach, die HIV-Schwerpunktpraxen wie zum Beispiel in Bremen sind überlastet. Theoretisch könnten auch Arztpraxen auf dem Land die Betreuung übernehmen, doch allein die dafür notwendige „fachliche Befähigung“ mit einer 16-stündigen Hospitation sowie der Präsenz bei der Behandlung von 15 Personen in einer PrEP-Praxis stellen eine hohe Hürde dar. Hinzu kommt, dass der behandelnde Arzt seine Kosten von der Kasse nur erstattet bekommt, wenn er im Jahr mindestens 10 Personen mit der PrEP versorgt. Wirtschaftliche Risiken also durch unrealistische Vorgaben.

Medizinexperte Armin Schafberger, der die Zahlen und Fakten präsentierte, meint, dass das begleitende Screening eher politisch motiviert war, man habe offensichtlich einen Anstieg anderer sexuell übertragbarer Krankheiten befürchtet. Nun behindere das Screening wegen des Aufwandes und des dafür benötigten Budgets für Labortests einen breiteren Einsatz der HIV-PrEP.

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