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	<description>Das Queer-Magazin für NRW</description>
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	<title>Fresh Magazin</title>
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		<title>„Queere Strukturen brauchen Verlässlichkeit,  keine Förderung auf Zuruf”</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 20:09:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Top Story]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Interview: Mona Neubaur, stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen dd. Mona Neubaur ist stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie agiert seit Juni 2022 als Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen im Kabinett Wüst. Bei der Landtagswahl 2022 in Nordrhein-Westfalen trat sie als Spitzenkandidatin der Grünen an. Anlässlich der kommenden Landtagswahl in [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im Interview: Mona Neubaur, stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen</strong></p>
<p>dd. Mona Neubaur ist stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie agiert seit Juni 2022 als Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen im Kabinett Wüst. Bei der Landtagswahl 2022 in Nordrhein-Westfalen trat sie als Spitzenkandidatin der Grünen an. Anlässlich der kommenden Landtagswahl in NRW gab sie FRESH ein Interview zur queerpolitschen Lage und den erreichten Zielen.</p>
<p><strong>Frau Neubar, wie beurteilen Sie die bisherige Queerpolitik der Landesregierung, darunter auch die Arbeit von Frau Paul bis zu ihrem Rücktritt? Wie wichtig ist Ihnen und der CDU in der Koalition die Förderung von Vielfalt und Diversity in NRW?</strong></p>
<p>Diese Koalition hat queerpolitisch echte Substanz geliefert – das Landesantidiskriminierungsgesetz, den Aufbau der Landesfachstelle Queere Anti-Gewalt-Arbeit (QUAGA), die CSD-Förderung. Das ist kein Selbstläufer in einer Koalition mit der CDU, das ist das Ergebnis grüner Verhandlungsführung. Josefine Paul hat diesen Kurs mit großem persönlichem Einsatz geprägt. Ihr Rücktritt war ein herber Verlust – auch für die queerpolitische Arbeit. Was bleibt, sind die Strukturen, die wir gemeinsam aufgebaut haben, und mein klares Bekenntnis: Dieser Kurs geht weiter. Vielfalt ist kein Nischenthema, sondern ein Kernbestandteil des gesellschaftlichen Zusammenhalts – und das ist für mich und die Grünen in NRW nicht verhandelbar.</p>
<p><strong>Werden Sie in einer erneuten Koalition mit Herrn Wüst die Queerpolitik als wichtiges Aktionsfeld weiter fördern und dabei den gesetzlichen Schutz vor Diskriminierung weiterentwickeln? Wie beurteilen Sie das neue Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG)?</strong></p>
<p>Ich bin überzeugt: Was in dieser Koalition möglich war, zeigt, was in einer nächsten möglich sein kann – wenn der politische Wille da ist. Und der ist auf unserer Seite vorhanden – und übrigens nicht nur dort. Erst Anfang Juni hat Ministerpräsident Wüst selbst im Namen der Landesregierung 15 Persönlichkeiten mit dem Verdienstorden des Landes für ihr Engagement für queere Rechte und ein offenes, vielfältiges Miteinander ausgezeichnet. Das zeigt mir: Diese Wertschätzung wird in der Koalition über Parteigrenzen hinweg getragen, und genau darauf will ich aufbauen. Das Landesantidiskriminierungsgesetz ist dafür ein gutes Beispiel. Es schließt eine echte Schutzlücke: Bisher galt das AGG nur im Privatrecht – künftig können sich Menschen auch gegen Diskriminierung durch staatliche Stellen wehren. Das ist überfällig. Erfahrungen aus Berlin zeigen: Es gibt keine Klagewelle, aber es gibt Anerkennung und Handlungssicherheit für Betroffene. Genau darum geht es. Eine Fortführung der Koalition bedeutet für mich: diesen Kurs halten und ausbauen.</p>
<p><strong>Ist die finanzielle Absicherung queerer Infrastruktur und der konsequente Ausbau von Beratungs- und Hilfsangeboten im gesamten Bundesland weiter ein Kernpunkt grüner Politik in NRW? Auch nach der kommenden Landtagswahl im nächsten Jahr?</strong></p>
<p>Ja, absolut. Queere Infrastruktur ist keine freiwillige Kür, sondern staatliche Verantwortung. Beratungsstellen, Fachstellen, Anlaufpunkte für Trans- und Inter*-Menschen: Das sind Lebensadern für viele Menschen in NRW. Wir haben in dieser Legislatur Strukturen aufgebaut, die bundesweit einmalig sind – etwa die QUAGA-Fachstelle für queere Anti-Gewalt-Arbeit mit einer gesicherten Förderung von 160.000 Euro jährlich. Diese Strukturen müssen dauerhaft gesichert sein, nicht abhängig vom jeweiligen Haushaltsjahr. Das ist für mich eine Frage politischer Glaubwürdigkeit.</p>
<p><strong>Stichwort „CSDs sind weit mehr als bunte Feste”. Die Förderung für unsere Straßenfeste wurde ja unter Schwarz-Grün eingeführt, aber dann auch gleich wieder runter gekürzt. Was können wir von Ihnen bei einer Fortführung der Regierungskoalition an Unterstützung der NRW-CSDs weiterhin erwarten?</strong></p>
<p>CSDs sind politische Demonstrationen – für Sichtbarkeit, für Würde, gegen Diskriminierung. Dass wir als Land inzwischen 36 CSDs in ganz NRW fördern, ist ein Fortschritt, auf den ich stolz bin. Gleichzeitig höre ich sehr deutlich, was mir aus der Community zurückgemeldet wird: Sponsoring bricht weg, Kosten steigen, und ohne die Landesförderung würden manche CSDs schlicht nicht stattfinden. Das zeigt mir: Wir müssen diese Förderung verstetigen und verlässlicher machen. Dass es immer mehr kleine CSDs in kleinen Orten gibt – das ist auch ein Zeichen dafür, wie wichtig diese Sichtbarkeit gerade jetzt ist. Das werden wir im Blick behalten.</p>
<p><strong>Ein wichtiges Thema ist die Gewalt gegen queere Menschen. In NRW sind die angezeigten politisch rechts motivierten Straftaten im Jahr 2025 erneut angestiegen – von 5641 Taten in 2024 auf 6268 im Jahr 2025, das ist ein Plus von rund 11 Prozent. Ist das nicht erschreckend? Welche Strategien hat die NRW-Landesregierung?</strong></p>
<p>Die Zahlen sind alarmierend, und ehrlich gesagt machen sie mir Sorgen. Allein die politisch motivierten Straftaten gegen queere Menschen in NRW haben sich seit 2020 fast versiebenfacht: von 37 auf 284 Delikte im Jahr 2025. Das ist kein statistisches Rauschen, das ist eine gesellschaftliche Entwicklung, die wir ernst nehmen müssen. Was mich besonders beunruhigt: Queerfeindlichkeit ist laut Verfassungsschutz ein aktives Mobilisierungsinstrument rechtsextremer Bewegungen gezielt eingesetzt, um junge Menschen zu rekrutieren. Darauf brauchen wir eine klare Antwort: Strafverfolgung, Prävention und starke zivilgesellschaftliche Strukturen. Die QUAGA-Fachstelle, die Meldestelle MIQ, die Beratungsangebote – das sind Antworten des Landes auf diese Entwicklung. Aber ich sage auch klar: Wir dürfen uns damit nicht zufriedengeben. Die Sicherheit queerer Menschen im öffentlichen Raum muss verteidigt werden.</p>
<p><strong>Braucht Queerpolitik nicht Planungssicherheit und keine jährlichen Ausschläge nach Kassenlage? Wie kann man queeere Strukturen dauerhaft stabilisieren und langfristig fördern? Sollten nicht z.B. die Förderung der Arcus-Stiftung oder „Come-Out”-Stiftung dauerhaft abgesichert werden?</strong></p>
<p>Das ist die richtige Frage – und ich teile die Kritik, die dahintersteckt. Queere Strukturen brauchen Verlässlichkeit, keine Förderung auf Zuruf. Eine Beratungsstelle, die nicht weiß, ob sie im nächsten Jahr noch finanziert wird, kann ihre gute Arbeit nicht langfristig planen. Das gilt auch für Stiftungen, die langfristig wirken wollen. Ich setze mich dafür ein, dass wir von projektbezogener Förderung stärker zu institutioneller Absicherung kommen – das ist kein Luxus, das ist die Voraussetzung für wirksame Arbeit. Ob Arcus oder Come-Out: Strukturen, die sich über Jahre bewährt haben, verdienen Planungssicherheit. Das ist mein Ziel für die nächste Legislatur.</p>
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		<title>Eine weitere Farbe des Spektrums</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Jun 2026 19:58:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Szene]]></category>
		<category><![CDATA[Top Story]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine weitere Farbe des Spektrums Sänger Damien Cain über seine queere Pop-Ballade „Caleb“ fb. Damien Cain, der Sänger der Alternative-Rock-Band Cain („Age of Darkness“), hat für sein neues Album „Standarte“ mit Jamie Wiltshire eine Pop-Rock-Ballade zu einer gescheiterten schwulen Liebe mit dem Titel „Caleb“ aufgenommen. Anlässlich des Pride Month haben wir ihn zu den Hintergründen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eine weitere Farbe des Spektrums</strong></p>
<p>Sänger Damien Cain über seine queere Pop-Ballade „Caleb“</p>
<p>fb. Damien Cain, der Sänger der Alternative-Rock-Band Cain („Age of Darkness“), hat für sein neues Album „Standarte“ mit Jamie Wiltshire eine Pop-Rock-Ballade zu einer gescheiterten schwulen Liebe mit dem Titel „Caleb“ aufgenommen. Anlässlich des Pride Month haben wir ihn zu den Hintergründen befragt.</p>
<p><strong>Deine Musik hat eine große Bandbreite, und dennoch fällt „Caleb“ als Pop-Rock-Ballade aus dem Rahmen. Wie kam es zu der Entscheidung?</p>
<p>Schon beim Schreiben der Lyrics von „Caleb“ habe ich gemerkt, dass das weder eine Gothic- noch eine Metal-Nummer werden kann. Aber das Genre war keine strategische Entscheidung nach dem Motto: So, daraus machen wir jetzt eine massentaugliche Ballade. Die Musik hat sich förmlich aufgedrängt. Gerade auf meinem aktuellen Album „Standarte“ gibt es so viele verschiedene Farben, von Metal über Emo und Punk, bis zu den dunklen Momenten, da ist „Caleb“ einfach eine weitere Farbe des Spektrums. Und der Song ist mir wichtig. Deshalb durfte und musste er genau so aufs Album. Manchmal braucht eine Platte so einen Moment, in dem etwas überraschend Menschliches sichtbar wird.</p>
<p><strong>Was war Deine Motivation, musikalisch die Geschichte einer schwulen Liebe zu erzählen?</strong></p>
<p>Ich glaube, schwule Liebe verdient es, genauso selbstverständlich besungen zu werden wie jede andere Liebe auch. Romantik, Schmerz, Sehnsucht, Körperlichkeit, Würde und Drama – das gibt es in allen Arten von Beziehungen. Für mich war wichtig, dass „Caleb“ nicht nur ein queeres Thema behandelt, sondern wirklich eine echte Liebesgeschichte erzählt, bzw. deren Nachhall. Viele queere Menschen kennen sicher das Gefühl, dass ihre Geschichten entweder problematisiert, exotisiert oder nur am Rand erzählt werden. Ich wollte einen Song schreiben, in dem diese Liebe im Mittelpunkt steht. Nicht als Erklärung für ein heteronormatives Publikum, sondern als echte, als erlebte, emotionale Realität. Manche Gedanken und Gefühle wollen einfach nicht eingesperrt bleiben im Kopf und müssen irgendwann raus. So ein Fall ist „Caleb“.</p>
<p><strong>Der Song ist ein Duett mit Jamie Wiltshire, der einer anderen Generation angehört. Ist das auch als Brückenschlag zu verstehen?</strong> </p>
<p>Dass der Song ein Duett geworden ist, war beinahe ein Zufall: Ich habe Jamie (wie bei anderen Songs auch) gebeten, Backing-Vocals beizusteuern. Aber als ich seine Performance bei „Caleb“ hörte, klang das für mich plötzlich wie eine neue Ebene, wie ein Gespräch über eine gemeinsam erlebte Vergangenheit, und ich musste diese Version einfach veröffentlichen, das gab dem Song eine völlig neue Dimension.<br />
Und ja, dadurch wird „Caleb“ durchaus zu einer Art Brückenschlag. Queere Generationen haben sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht: andere Ängste, andere Freiheiten, andere Kämpfe. Wenn zwei Stimmen aus verschiedenen Generationen gemeinsam eine Liebesgeschichte singen, entsteht automatisch ein Dialog. Das Schöne ist: Der Song erklärt das nicht. Er lässt es einfach passieren. Für mich liegt gerade darin die Kraft des Duetts. Es geht nicht um Theorie, sondern um Stimmen, die sich begegnen. </p>
<p><strong>Du bist 2020 von NRW nach Irland gezogen. Hat das auch Deine Musik verändert?</strong></p>
<p>Ja, auf jeden Fall. Ein Ortswechsel verändert immer etwas, besonders, wenn man das Land verlässt, in dem man aufgewachsen ist. Und ich habe mir einen Traum aus meinen frühen Zwanzigern erfüllt und bin in mein Sehnsuchtsland ausgewandert. Es ist die atemberaubende Landschaft, selbstverständlich die Bedeutung von Musik im täglichen Leben, die allgegenwärtige, inspirierende Melancholie, Ruhe statt Stress – und die ehrliche Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen, die mich damals wie heute gefangen genommen haben. Das alles ist extrem inspirierend, erdend und massiv künstlerisch beeinflussend. Irland gibt dir die Zeit, wirklich du selbst zu sein. Ich glaube, meine Musik ist dadurch freier, mutiger und persönlicher geworden.</p>
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		<title>„Diskriminierung hat in einem gerechten NRW keinen Platz”</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Apr 2026 15:02:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Top Story]]></category>
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					<description><![CDATA[Als Spitzenkandidat für das Amt des Ministerpräsidenten will die SPD Jochen Ott nominieren dd. In einem Jahr ist Landtagswahl in NRW. Spitzenkandidat für die Wahl zum Ministerpräsidenten für die CDU ist sicher Hendrik Wüst. Aber wer wird in der SPD in der Tradition von Hannelore Kraft, Wolfgang Clement, Peer Steinbrück oder Johannes Rau für die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Als Spitzenkandidat für das Amt des Ministerpräsidenten will die SPD Jochen Ott nominieren</strong></p>
<p>dd. In einem Jahr ist Landtagswahl in NRW. Spitzenkandidat für die Wahl zum Ministerpräsidenten für die CDU ist sicher Hendrik Wüst. Aber wer wird in der SPD in der Tradition von Hannelore Kraft, Wolfgang Clement, Peer Steinbrück oder Johannes Rau für die SPD ins Rennen geschickt? Es ist aller Voraussicht nach Jochen Ott aus Köln. Mit dem bislang in NRW eher unbekannten Sozialdemokraten führten wir ein Interview, um mit ihm über seine Ansichten bei queerpolitischen Fragen zu sprechen.</p>
<p><strong>Lieber Herr Ott, in Ihrem Wahlkampf für das Oberbürgermeisteramt 2015 haben Sie in einem Interview der Community „Diversity als Chefsache” versprochen. Können wir diese Marschrichtung auch von Ihnen erwarten, wenn Sie zum Ministerpräsidenten von NRW gewählt werden? Wie wichtig ist Ihnen die Förderung von Vielfalt und Diversity?</strong></p>
<p>Diversity ist für mich keine Nebensache, sondern eine Führungsaufgabe auf allen politischen Ebenen. Das gilt heute genauso wie 2015 – und erst recht für das Amt des Ministerpräsidenten. Vielfalt stärkt unsere Gesellschaft, wirtschaftlich wie sozial, und muss aktiv gefördert werden. </p>
<p><strong>Es gab in den letzten Jahren unter Schwarz-Grün in NRW finanzielle Kürzungen von Landesmitteln, insbesondere bei den AIDS-Hilfen. Die Kürzungen wurden nur durch eine Großdemon-stration im Oktober 2023 am Landtag gegen Schließungen vieler sozialer Einrichtungen und massivem Protest teilweise zurück genommen. Dabei erklärten Sie sich mit den 22.000 Demonstranten solidarisch und kritisierten die Landesregierung scharf, da „die soziale Infrastruktur in NRW auf dem Spiel steht”. Würden Sie anders reagieren, wenn Sie regieren?</strong></p>
<p>Ich habe die Proteste damals bewusst unterstützt, weil soziale Infrastruktur niemals Luxus sein darf. Sie ist Grundlage unseres Zusammenlebens. Haushaltskürzungen dürfen nicht auf dem Rücken von Betroffenen und systemrelevanten Strukturen ausgetragen werden. Gerade Einrichtungen wie AIDS-Hilfen leisten unverzichtbare Arbeit im Gesundheits- und Präventionsbereich. Politik muss hier Partnerin sein, nicht Risiko. </p>
<p><strong><br />
Braucht Queerpolitik nicht Planungssicherheit und keine jährlichen Ausschläge nach Kassenlage? Wie kann man Strukturen dauerhaft stabilisieren und langfristig fördern?</strong></p>
<p>Strukturen sind dann wirklich stabil, wenn Vielfalt nicht nur gefördert, sondern im Denken und Handeln von Institutionen verankert ist. Deshalb braucht es neben verlässlicher Finanzierung auch klare Standards, Fortbildungen und eine konsequente Antidiskriminierungspraxis. Ich will Ministerpräsident werden, um NRW wieder gerecht zu machen. Und das heißt für mich: strukturelle Absicherung und Vielfalt leben.</p>
<p><strong>Was halten Sie von dem von Ex-Ministerin Josefine Paul (Grüne) gestarteten Landesantidiskriminierungsgesetz? Würden Sie das Gesetz als Ministerpräsident weiter fördern und unterstützen?</strong></p>
<p>Ein starkes Antidiskriminierungsgesetz ist ein wichtiges Werkzeug zum Schutz von Grundrechten und zur Durchsetzung von Gleichbehandlung. Ich halte es für richtig, bestehende Instrumente weiterzuentwickeln und Lücken konsequent zu schließen. Dabei kommt es darauf an, dass Betroffene niedrigschwellig Unterstützung erhalten und ihre Rechte auch praktisch durchsetzen können. Wichtig ist für mich: Das Gesetz muss praxistauglich sein. Wir brauchen nicht mehr Bürokratie. Wir brauchen wirksamen Schutz. Diskriminierung hat in einem gerechten NRW keinen Platz.</p>
<p><strong>Ein wichtiges Thema ist die Gewalt gegen queere Menschen. Die Sicherheitssituation hat sich für queere Mensche in den vergangenen Jahren laut Statistik verschlechtert. Die queerfeindliche AfD gewinnt mehr und mehr an Stimmen. Was würden Sie dagegen unternehmen, wenn Sie im nächsten Jahr Ministerpräsident einer neuen Landesregierung werden?</strong></p>
<p>Dass queere Menschen sich unsicherer fühlen, ist ein Alarmsignal. Das darf nicht sein. Das will ich ganz vorweg sagen. Ich will auch sagen: Queerfeindlichkeit ist kein Randproblem, sondern ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft, und dem muss der Staat entschieden entgegentreten. Wir brauchen mehr Schutz, bessere Straf-verfolgung und klare Kante gegen diejenigen, die Ausgrenzung betreiben. Das heißt, wir müssen auf Prävention setzen, die früh beginnt – in Schulen, in der Jugendarbeit und in der gesellschaftlichen Bildung. Es braucht eine starke soziale Infrastruktur mit Beratungsstellen und Anlaufpunkten, damit Vielfalt überall sichtbar und unterstützt wird. Und wir müssen Hasskriminalität konsequent verfolgen.<br />
<strong><br />
Auch für die CSDs in NRW wurden die Landesmittel gekürzt, obwohl immer mehr davon in NRW entstehen. Wie stehen Sie dazu? Die SPDQUEER war bei sehr vielen CSDs vor Ort. Wie wichtig ist für Sie die Entstehung dieser Events auch in kleineren Kommunen und auf dem Land?</strong></p>
<p>Als Kölner hat der CSD natürlich ganz grundsätzlich einen besonderen Platz in meinem Herzen. Auf meinem ersten CSD war ich als Jugendlicher und bin seither fast jedes Jahr dabei. Aber auch ganz grundsätzlich als Sozialdemokrat sehe ich CSDs nicht nur als schöne und laute Demonstrationen. Sie sind sichtbare Zeichen für Vielfalt, Gleichberechtigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gerade im ländlichen Raum haben sie eine enorme Bedeutung, weil sie Räume der Sichtbarkeit, der Akzeptanz und der Selbstbestimmung schaffen. Das macht für viele Menschen einen enormen Unterschied. Deshalb ist es mir ein Anliegen, CSDs weiter zu unterstützen.</p>
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		<title>Horst Schlämmer ist jetzt ein &#8222;bischen selber homosexuell&#8220;</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Mar 2026 17:07:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Community]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Top Story]]></category>
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					<description><![CDATA[Interview mit einem geläuterten Horst Schlämmer dd. Anlässlich seines neuen Films „Horst Schlämmer sucht das Glück” stellte sich Hape Kerkeling als Horst Schlämmer beim großen Premieren-Empfang in der Essener Lichtburg Mitte März u.a. Fragen der FRESH. Wir wollten u.a. wissen, inwieweit sich die Rolle des Horst Schlämmer in den Jahren geändert hat, insbesondere bei queeren [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Interview mit einem geläuterten Horst Schlämmer </strong></p>
<p>dd. Anlässlich seines neuen Films „Horst Schlämmer sucht das Glück” stellte sich Hape Kerkeling als Horst Schlämmer beim großen Premieren-Empfang in der Essener Lichtburg Mitte März u.a. Fragen der FRESH. Wir wollten u.a. wissen, inwieweit sich die Rolle des Horst Schlämmer in den Jahren geändert hat, insbesondere bei queeren Themen. Im neuen Film ist er immerhin schon am Kiffen und hat nach dem Besuch eines Domina-Studios kaum noch „Rücken”&#8230; Zur Begrüßung sagte er von sich aus zu Reporter Dietrich Dettmann: „Die FRESH kenne ich doch irgendwie, bist du da etwa immer noch?” . Na das konnte ja heiter werden &#8230;</p>
<p><strong>Lieber Horst, es gibt ja auch eine Menge schwule Fans, die Dich mögen. Wie gefällt Dir das eigentlich?</strong> </p>
<p>Also ich freue mich darüber. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin jetzt auch ein bisschen selber homosexuell geworden. Aber ich sage es immer so: Ich bin primär. Ich freue mich darüber. Weisse Bescheid. Ich finde, wir leben in einer Welt, die offen sein muss, die klar sein muss. </p>
<p><strong>Also hat der Horst sich da auch verändert und ist offener und toleranter geworden?</strong> </p>
<p>Ja genau, ich habe mich da verändert. Du wirst es im Film sehen. Ich hatte etwas, ich nenne es mal eine Erfahrung. Ein Abenteuer, genau. Naja, ich bin jetzt nicht durchweg bi, aber. schaun wir mal &#8230;</p>
<p><strong>Stichwort die Szene im Film dazu: `Wo ist meine Unterhose´, wo Du neben einer Frau und einem Mann aufwachst &#8230;</strong></p>
<p>Hast du das schon gesehen im Film? Stimmt, die Szene ist ja schon im Promofilm drin. Ja, aber wie gesagt, ich bin nicht richtig schwul, ich war nur lückenlos betrunken. Aber ehrlich Freunde, doch doch, ich bin jetzt offener geworden.</p>
<p><strong>Hast Du denn schon mal heimlich gegendert? </strong></p>
<p>Was ist denn das? Ist das, wenn man was nimmt? Ich sehe schon mal ein paar Gendersternchen am Himmel, wenn der Doornkaat alle ist. Das sieht dann recht hübsch aus. Also aus der Ferne betrachtet&#8230;</p>
<p><strong>Du suchst in dem Film ja das Glück. Und als Single suchst Du ja auch eine Frau. Im Film gerätst Du überraschend an eine Domina, aber wie wäre es eigentlich für Dich mit Uschi Blum vom Schlagerparadies Dormagen, kennst Du die? Eine klasse Frau. Aber ich glaube,  die ist trans*, würde Dich das stören?</strong></p>
<p>Die ist doch nicht trans, Schätzelein. Die ist eine Frau durch und durch, das ist fast schon zu viel Frau für mich. Naja, ich bin mir nicht ganz sicher. Aber egal, ja die wäre was für mich. Ich würde mich da einfach überraschen lassen. Im Alter darf man nicht so wählerisch sein&#8230;</p>
<p><strong>Im Film suchst Du ja das Glück in ganz Deutschland. Was sagst Du zu den Verhältnissen hier im Land? Probleme haben wir ja wirklich genug &#8230;</strong></p>
<p>Allerdings. Grundsätzlich gilt, man muss sich Deuschland einfach schön saufen. Aber, auch wenn man es sich nicht schön säuft, das ist eines der schönsten Länder auf diesem Planeten. Also wenigstens im Westen. Und wir tun alles, dass die Dinge besser werden. Zum Beispiel mit einem Lächeln im Gesicht, weisse Bescheid.</p>
<p><em>„Horst Schlämmer sucht das Glück”,<br />
ab 26. März im Kino.</em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Wir fordern eine kontinuierliche, dynamische Erhöhung der Fördermittel”</title>
		<link>https://www.fresh-magazin.de/wir-fordern-eine-kontinuierliche-dynamische-er-hoehung-der-foerdermittel</link>
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		<pubDate>Tue, 10 Mar 2026 12:26:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Community]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Top Story]]></category>
		<category><![CDATA[Top Story Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Top Stoy]]></category>
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					<description><![CDATA[Jan Bockemühl, neu in Vorstand des Queeren Netzwerks NRW, im FRESH-Interview dd. Jan Bockemühl ist ein engagierter Vertreter für LSBTIQ*-Rechte, der seit November 2025 dem Vorstand des Queeren Netzwerks NRW e.V. (QNW) angehört. Er leitet hauptamtlich die Geschäftsstelle der Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren (BISS) e.V. und setzt sich somit aktiv für die Verbesserung der Lebenssituation älterer [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Jan Bockemühl, neu in Vorstand des Queeren Netzwerks NRW, im FRESH-Interview </strong></p>
<p>dd. Jan Bockemühl ist ein engagierter Vertreter für LSBTIQ*-Rechte, der seit November 2025 dem Vorstand des Queeren Netzwerks NRW e.V. (QNW) angehört. Er leitet hauptamtlich die Geschäftsstelle der Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren (BISS) e.V. und setzt sich somit aktiv für die Verbesserung der Lebenssituation älterer queerer Menschen ein. FRESH sprach mit ihm über sein neues Amt.</p>
<p><strong>Warum bzw. mit welchem Ziel hast Du Dich für den Vorstand im QNW beworben?</strong></p>
<p>Etwas mehr als drei Jahre lang war die Geschäftsstelle der Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren (BISS) e.V. in den Räumlichkeiten des Queeren Netzwerks NRW ansässig. In dieser Zeit arbeitete ich täglich Tür an Tür mit den Kolleg*innen der verschiedenen Fachstellen zusammen. Dieser Austausch ermöglichte mir Einblicke in ihre Arbeit und schuf eine tiefere Verbundenheit zum Verein.<br />
Als Vorstandsmitglied möchte ich dazu beitragen, die fachliche Arbeit des Queeren Netzwerks NRW langfristig abzusichern, strategisch voranzubringen und nachhaltig zu stärken.</p>
<p><strong>Welche Themen möchtest Du als Vorstand im QNW voranbringen?</strong></p>
<p>Ein zentrales Anliegen ist die Reaktivierung und Neugestaltung landesweiter Maßnahmen der LSBTIQ*-Altersarbeit. Der demografische Wandel betrifft auch die queere Community: Die Gruppe der älteren und hochaltrigen Menschen wächst stetig. Seit dem Wegfall der Landeskoordination LST* in der offenen Senior*innenarbeit in NRW besteht hier eine fachliche und politische Lücke, die wir schließen müssen.<br />
Zudem möchte ich die Vereinsarbeit dort, wo es sinnvoll ist, generations- und gruppenübergreifend gestalten. Wir müssen innerhalb der Communities dringend über bestehende Altersbilder sowie das Miteinander von jüngeren und älteren Menschen sprechen.</p>
<p><strong>Was forderst Du für die Umsetzung dieser Ziele konkret von der Politik?</strong></p>
<p>Zunächst streben wir einen direkten fachlichen Austausch mit dem Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Karl-Josef Laumann, an. Hallo, Herr Laumann!<br />
Kurz und knapp fordere ich: eine gesicherte Finanzierung.<br />
Benötigt werden Mittel für eine zielgruppenspezifische Facharbeit, welche die Lebenssituation älterer LSBTIQ* verbessert, ihre Selbstvertretungskompetenzen fördert und die Öffnung von Regelstrukturen in der Altersarbeit ermöglicht. Dabei darf der Fokus nicht nur auf den Metropolen liegen, sondern muss die gesamte Fläche Nordrhein-Westfalens abdecken.<br />
Die politische Erwartung, dass sich Regelstrukturen ohne externe Impulse und Fachinformationen sensibilisieren, ist unrealistisch – insbesondere, wenn keine fachliche Instanz innerhalb der Community existiert, die informiert, vernetzt und koordiniert.<br />
<strong><br />
Habt Ihr als QNW Forderungen an die Ministerin Verena Schäffer, bzw. welche Erwartungen stellt Ihr an sie?</strong></p>
<p>Zunächst herzlichen Glückwunsch zur Ernennung, Frau Schäffer. Wir wünschen Ihnen viel Tatkraft für die anstehenden Aufgaben.<br />
Bei uns liegen Erwartungen und Forderungen eng beieinander: Mit großer Anstrengung konnte in den letzten zwei Jahren die Arbeit unserer Fachstellen gerettet und das Förderniveau von vor den Kürzungen im Jahr 2024 größtenteils wiederhergestellt werden. Wir erwarten, dass diese Sicherheit für 2027 und die Folgejahre mindestens bestehen bleibt. Angesichts von Kosten- und Gehaltssteigerungen, der wachsenden Nachfrage nach Unterstützung und einer zunehmenden Queerfeindlichkeit fordern wir eine kontinuierliche, dynamische Erhöhung aller Fördermittel. Nur so lässt sich die Qualität unserer Facharbeit aufrechterhalten.<br />
An die Landesregierung und die Verwaltung appelliere ich: Seien Sie sich der historischen Verantwortung bewusst, die die Politik seit 1945 gegenüber LSBTIQ* trägt. Die Folgen jahrzehntelanger Verfolgung, Diskriminierung und Stigmatisierung lassen sich nicht kurzfristig auflösen.<br />
Überlegungen, die Facharbeit des Queeren Netzwerks NRW verstärkt über Spenden zu finanzieren – analog zu US-amerikanischen Modellen –, halte ich für verfehlt. In Deutschland herrscht eine andere Spendenkultur. Wer, wenn nicht die Selbstorganisationen der Zivilgesellschaft, ist näher an den alltäglichen Bedarfen der Bevölkerung? Vereine und Ehrenamt leisten hier Arbeit, die eigentlich staatliche Aufgabe wäre. Daher muss der Staat diesen im Vergleich zum Gesamthaushalt geringen Unterstützungsbeitrag leisten.</p>
<p><strong>Wie hilft Dir Deine Erfahrung aus der BISS, Deine Vorstandsrolle auszufüllen?</strong></p>
<p>Ich greife dabei unmittelbar auf mein fundiertes Fachwissen in der Verbands- und Senior*innenarbeit zurück.</p>
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		<title>Verena Schäffer, neue NRW-Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration, im FRESH-Interview</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Mar 2026 11:58:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Top Story]]></category>
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					<description><![CDATA[dd. Verena Schäffer (Grüne) ist die neue NRW-Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration und zuständig für die Community. Sie löst Josefine Paul (Grüne) ab, die Ende Januar zurücktrat. FRESH sprach mit ihr als neues NRW-Regierungsmitglied über aktuelle queerpolitische Fragen. Frau Ministerin Schäffer, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Amt. Sie haben angekündigt, die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>dd. Verena Schäffer (Grüne) ist die neue NRW-Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration und zuständig für die Community. Sie löst Josefine Paul (Grüne) ab, die Ende Januar zurücktrat. FRESH sprach mit ihr als neues NRW-Regierungsmitglied über aktuelle queerpolitische Fragen.<br />
<strong><br />
Frau Ministerin Schäffer, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Amt. Sie haben angekündigt, die Arbeit von Frau Paul fortführen zu wollen. Wo liegen Ihre Schwerpunkte im Themenbereich LSBTTIQ+?</strong></p>
<p>Vielen Dank! Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung von Josefine Paul zu ihrem Rücktritt. Ihr gebührt großer Dank für ihren Einsatz für die Rechte von LSBTIQ*-Personen. Ich möchte ihre Arbeit gerne fortsetzen.</p>
<p>Mir war das Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG) schon als Fraktionsvorsitzende ein Herzensanliegen. Ich möchte dafür sorgen, dass es bald im Gesetzblatt steht. Denn alle Menschen in NRW sollten sicher und frei von Diskriminierung leben können. Zudem ist mir – auch als Kinder- und Familienmi-nisterin – wichtig, dass wir uns als Ministerium weiterhin für eine Reform des Abstammungsrechts im Bund einsetzen, damit Kinder lesbischer Eltern von Geburt an zwei rechtliche Mütter haben.<br />
<strong><br />
Wie ist denn der Stand der Dinge beim Landesantidiskriminierungsgesetz?</strong></p>
<p>Aktuell werten wir die Stellung-nahmen zum Regierungsentwurf aus. In den nächsten Wochen wird der Gesetzentwurf dem Landtag vorgelegt. Mit dem Gesetz schließen wir rechtliche Schutzlücken und stärken damit die Rechte der Betroffenen. Ziel des Gesetzes ist in erster Linie die Beendigung einer Diskriminierung. Betroffene Personen erhalten zudem rechtliche Möglichkeiten, etwa auf Schadensersatz klagen zu können. Eine Klagewelle ist in Berlin, dem bisher einzigen Land mit Erfahrungen mit einem Landesantidiskriminierungsgesetz, allerdings ausgeblieben. Darüber hinaus sieht das Gesetz die Einrichtung einer Landesantidiskriminierungsstelle vor, u.a. zur Entwicklung von Präventionsmaßnahmen und Initiierung wissenschaftlicher Studien zu Diskriminierungen.</p>
<p><strong>Wie wollen Sie zukünftig das Thema Queer im Kabinett einbringen? Bei den Themen Gesundheit, Pflege und Innere Sicherheit gibt es ja weiterhin massive Handlungsbedarfe &#8230;</strong> </p>
<p>Wichtige Anliegen, die LSBTIQ*- Personen betreffen, werde ich als Querschnittsthema einbringen. Allerdings tragen die jeweiligen Fachressorts jeweils selbst die Verantwortung, Perspektiven und Bedarfe von LSBTIQ* in ih-ren Zuständigkeitsbereichen mitzudenken und umzusetzen. Ich sehe es als meine Aufgabe an, auf bestehende Handlungsbedarfe hinzuweisen und fachliche Grundlagen in die Diskussion einzubringen. So hat die Studie „Queer durch NRW – Lebenslagen und Erfahrungen von LSBTIQ*“ unter anderem im Gesundheitsbereich, aber auch mit Blick auf Pflege und Innere Sicherheit deutlich gemacht, wo strukturelle Benachteiligungen und Versorgungslücken bestehen. In meinem Haus tragen wir zum Beispiel mit der Förderung von gezielten Angeboten in der queeren Jugendarbeit aktiv dazu bei, dass Vielfalt gelebt wird. Dass die Landesfachstelle Regenbogenfamilien mit einer jährlichen Förderung über 160.000 Euro bald an den Start gehen kann, freut mich sehr.</p>
<p><strong>Queerfeindliche Gewalt gegen queere Menschen nimmt besonders in den Großstädten in erschreckender Weise zu. Welche Strategien haben Sie dagegen? </strong></p>
<p>Erst einmal: Ich habe jahrelang Innenpolitik gemacht, und mir ist es sehr wichtig, dass alle Menschen in NRW sicher sind. Die Zunahme queerfeindlicher Gewalt ist absolut besorgniserregend und spiegelt leider eine in Teilen gesellschaftliche Stimmung wider, die sich vermehrt gegen Minderheiten richtet. Queerfeindliche Diskriminierung und Gewalt bedroht sehr konkret unsere vielfältige und demokratische Gesellschaft. Die NRW-Lebenslagenstudie zeigt, dass TIN*-Personen noch einmal stärker gefährdet sind. Die Beratung und Unterstützung von Personen, die Opfer von homo-, trans*- und queerfeindlicher Gewalt geworden sind, ist immens wichtig, daher haben wir unsere Förderung für die Landesfachstelle für queere Anti-Gewalt-Arbeit aufgestockt.  Gleichzeitig ist es wichtig, nicht nur das Hellfeld der angezeigten Straftaten im Blick zu behalten, sondern auch das Dunkelfeld besser auszuleuchten. Hier erwarten wir mit dem ersten Jahresbericht der Meldestelle Queerfeindlichkeit wichtige Erkenntnisse, von denen wir weitere gezielte und wirksame Maßnahmen ableiten wollen.</p>
<p><strong>In etwa einem Jahr sind wieder Wahlen in NRW. Können wir erwarten, dass Sie queere Events wie CSDs besuchen und sich für die weitere Förderung der CSDs in NRW einsetzten? Die Zuwendungen sind ja leider unter Schwarz-Grün zuletzt gekürzt worden. </strong></p>
<p>Ich freue mich schon jetzt auf CSDs und andere queere Events! Neben Begegnungen und Gesprächen, die mir wichtig sind, möchte ich damit auch ein klares politisches Signal senden: für Solidarität und den gemeinsamen Einsatz für gleiche Rechte gerade in einer Zeit, in der unsere Demokratie und damit unsere vielfältige Gesellschaft unter Druck gesetzt wird. Zu den Zuwendungen für CSDs: Diese wurden vor drei Jahren unter Schwarz-Grün erstmals eingeführt und in diesem Haushaltsjahr wieder ausgeweitet. Besonders erfreulich ist, dass wir dieses Jahr mehr CSDs in Nordrhein-Westfalen erwarten als jemals zuvor – das ist ein starkes Zeichen für Sichtbarkeit und Anerkennung!</p>
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		<title>„Frische Energie”</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Feb 2026 21:04:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Top Story]]></category>
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					<description><![CDATA[Führungswechsel nach zwei Jahrzehnten beim LSVD+ in NRW &#8211; Andrea Peuler-Kampe vom neuen Vorstand im FRESH-Interview dd. Der LSVD+ hat einen neuen Vorstand in NRW gewählt. Die Urgestein-Aktivisten Frank Bauer und Arnulf Sensenbrenner sind nicht mehr dabei. Im Interview spricht Andrea Peuler-Kampe (Foto) vom neu gewählten Vorstand über neue Wege und Ziele des LSVD+ und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Führungswechsel nach zwei Jahrzehnten beim LSVD+ in NRW &#8211; Andrea Peuler-Kampe vom neuen Vorstand im FRESH-Interview</strong></p>
<p>dd. Der LSVD+ hat einen neuen Vorstand in NRW gewählt. Die Urgestein-Aktivisten Frank Bauer und Arnulf Sensenbrenner sind nicht mehr dabei. Im Interview spricht Andrea Peuler-Kampe (Foto) vom neu gewählten Vorstand über neue Wege und Ziele des LSVD+ und die aktuelle politische Situation der Community.</p>
<p><strong>Andrea, Du bist Teil des neuen Vorstandes des LSVD+ in NRW. Wenn langjährige Mitglieder des Vorstandes aufhören, spricht man gerne von einem Neuanfang – trifft das in diesem Fall zu?</strong></p>
<p>Ja! Wir sind jetzt im Übergang und bauen weiter auf dem auf, was über viele Jahre gewachsen ist – mit viel Einsatz, viel Erfahrung und viel Verlässlichkeit und Mut.<br />
Und in diesem Ansatz werden wir es weiterführen. Gleichzeitig bringt ein neues Team auch neue Perspektiven, neue Arbeitsweisen und neue Schwerpunkte mit. Unser Ziel ist: Kontinuität in den Werten – und frische Energie in der Umsetzung.</p>
<p><strong>Welche neuen Impulse dürfen wir erwarten? Es war in letzter Zeit eher still um den LSVD+ in NRW geworden …</strong></p>
<p>Den Eindruck kann ich nachvollziehen – und wir wollen genau da ansetzen: sichtbarer, ansprechbarer und vernetzter zu sein. Konkret heißt das: Regelmäßiger kommunizieren, damit klar ist, wofür wir stehen und wie man uns erreicht. Dazu mehr Kooperationen mit lokalen Initiativen, Beratungsstellen und Community-Strukturen – weil wir gemeinsam mehr Wirkung entfalten. und niedrigschwellige Angebote schaffen, die praktisch helfen: Information, Austausch, Empowerment, Unterstützung.<br />
Kurz: Wir wollen nicht nur reagieren, wenn es brennt &#8211; sondern verlässlich präsent sein.</p>
<p><strong>Wo wollt Ihr denn konkret durchstarten?</strong></p>
<p>Wir wollen als LSVD+ NRW unsere Präsenz im ländlichen Raum ausbauen und insbesondere im Ruhrgebiet und im Sauerland, wo queere Strukturen bislang kaum sichtbar waren, als verlässlicher Ansprechpartner wirken. Ein Treffen im Café Fluid der Aidshilfe Bochum soll dabei beispielhaft als zentraler Vernetzungs- und Austauschort und für die Unterstützung weiterer queerer Anlaufstellen dienen.</p>
<p>Außerdem wollen wir mehr auch bei kleinen CSDs präsent sein und einen besoneren Fokus auf FLINTA*-Personen sowie auf queere Menschen mit Beeinträchtigungen legen. </p>
<p><strong>Queerpolitisch positioniert Ihr euch ja nahe an den Grünen. Wie beurteilst Du Queerpolitik bzw. das Erreichte der schwarz-grünen Landesregierung in NRW?</strong></p>
<p>Ich würde das gern geradeziehen: Ich sehe den LSVD+ nicht als „nah an einer Partei“. Wir sind ein Bürgerrechtsverband. Unsere Orientierung ist menschenrechtlich und demokratisch – ich persönlich würde es eher als demokratisch links beschreiben, aber ohne Parteibindung. Und zur Landesregierung: „Erreichte Queerpolitik“ ist für mich nicht gut messbar über Überschriften oder Parteifarben. Entscheidend ist, was bei den Menschen und in der Infrastruktur tatsächlich ankommt: Beratung, Schutz, Prävention, Bildung – und vor allem Verlässlichkeit.<br />
Wenn Mittel nach Protesten doch gesichert oder nachgesteuert werden, ist das natürlich wichtig. Gleichzeitig bleibt unser Anspruch: nicht jedes Jahr dieselbe Unsicherheit, sondern planbare, stabile Strukturen. Wir werden die Landespolitik weiter daran messen, was konkret umgesetzt wird – und dabei mit allen demokratischen Kräften sprechen, die dafür Verantwortung tragen.</p>
<p><strong>Stichwort rechte Gewalt und steigende Homophobie: Sie nimmt besonders in den Großstädten in erschreckender Weise zu. Warum bläst uns der Wind immer stärker entgegen? Welche Strategien siehst Du dagegen?</strong></p>
<p>Für mich beginnt das bei uns selbst – und das meine ich konstruktiv: Ich halte es für zwingend notwendig, dass die queere Community als Ganzes zusammensteht. Wenn wir es untereinander nicht schaffen, respektvoll und akzeptierend miteinander umzugehen, können wir schwer erwarten, dass andere das für uns tun. Zusammenhalt ist kein „Nice-to-have“, sondern Selbstschutz und politische Stärke.<br />
Zum Gegenwind: Ich glaube, wir müssen den Ursprung von Homophobie und Queerfeindlichkeit viel genauer analysieren. Ich kenne aktuell keine verlässlichen Zahlen dazu, wo und in welchen Settings queerfeindliche Einstellungen besonders stark sind. Und ohne diese Klarheit bleibt man schnell bei allgemeinen Appellen. Meine Strategie wäre daher doppelt: Als<br />
Sofortmaßnahmen wollen wir Betroffene stärken (Beratung, Begleitung, sichere Räume), und Vorfälle ernst nehmen, die Anzeigen erleichtern, und Bündnisse mit Kommunen und Sicherheitsakteuren verstärken. Mein zweiter Punkt ist gezielte Prävention statt Bauchgefühl, dazu Daten und Erfahrungen systematisch bündeln, z. B. aus Beratungsstellen, Meldestellen, Community-Feedback, Polizei und Kommunen, dabei Muster erkennen. Und dann zielgenau in Schule, Jugendarbeit, Vereinen, Nachtleben und online gegensteuern. Denn wir brauchen dazu zwei Dinge: Haltung und Handwerk.</p>
<p><strong>Der LSVD+ ist Teil der Queeren Nothilfe Ukraine (QNU) – einem Bündnis von über 70 LSBTIQ+-Organisationen aus Deutschland. Was genau wollt Ihr mit dem Projekt erreichen?</strong></p>
<p>Die QNU bringt viele Organisationen zusammen, um queere Menschen zu unterstützen, die vom Krieg betroffen sind – in der Ukraine und auf der Flucht. Unser Ziel ist sehr praktisch: Schutz, Versorgung und Stabilisierung. Dazu gehören je nach Bedarf, sichere Unterkünfte, Unterstützung beim Ankommen, medizinische und psychologische Hilfe, Rechtsberatung und die Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen. Für uns heißt das: Solidarität nicht nur zu „bekunden“, sondern zu organisieren. </p>
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		<title>„Raus aus Grindr und Tinder, rein ins reale Leben und sich wehren!”</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Feb 2026 20:44:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Top Story]]></category>
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					<description><![CDATA[Arndt Klocke (Grüne) spricht im FRESH-Interview über die aktuelle queerpolitische Lage in NRW dd. Arndt Klocke (Grüne) ist Mitglied des Landtags Nordrhein-Westfalen. Von Februar 2006 bis Juni 2010 war er Landesvorsitzender der Partei Bündnis 90/Die Grünen in NRW und von Mai 2017 bis Oktober 2020 Fraktionsvorsitzender seiner Partei im Landtag. Bei der NRW-Landtagswahl 2022 erlangte [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Arndt Klocke (Grüne) spricht im FRESH-Interview über die aktuelle queerpolitische Lage in NRW</strong></p>
<p>dd. Arndt Klocke (Grüne) ist Mitglied des Landtags Nordrhein-Westfalen. Von Februar 2006 bis Juni 2010 war er Landesvorsitzender der Partei Bündnis 90/Die Grünen in NRW und von Mai 2017 bis Oktober 2020 Fraktionsvorsitzender seiner Partei im Landtag. Bei der NRW-Landtagswahl 2022 erlangte er im Landtagswahlkreis Köln III mit 41,6 % das Direktmandat. Mit 39,3 % der Zweitstimmen erhielt sein Wahlkreis erneut das stärkste Resultat der Grünen landesweit. Nun tritt er wieder an. FRESH sprach mit ihm u.a. über aktuelle queer-politische Themen.</p>
<p><strong>Arndt, der Tod Deines Freundes Rosa von Praunheim, mit dem du wenige Stunden vorher noch gefeiert hast, hat uns alle getroffen. Welche Bedeutung hat Rosa von Paumheim Deiner Meinung nach für die queere Community in Deutschland gehabt, was ist Deiner Meinung nach sein Vermächtnis?</strong></p>
<p>Rosa war ein strahlender, mutiger Leuchtturm. Er war vor fünfzig Jahren schon „Out+Proud”, als fast alle noch versteckt lebten. Mit seinem Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt” aus dem Jahr 1971 hat er Geschichte geschrieben. Rosa und ich kannten uns mehr als dreißig Jahre, in den letzten Jahren waren mein Mann Sven Lehmann und ich eng mit Rosa und seinem Partner Oliver Sechting verbunden. Wir waren im Dezember auch bei der kleinen Hochzeitsfeier der beiden dabei. Rosas plötzlicher Tod nur fünf Tage später hat uns wie ein Schlag getroffen. Rosas Beisetzung auf dem Alten Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg war traurig und schön zugleich. Hunderte Menschen, darunter Riccardo Simonetti, Tom Tykwer, Else Buschheuer, Gitte Haenning und Max Riemelt hatten den Weg zum Friedhof gefunden. Sein Vermächtnis mit über hundert Filmen, Büchern und Bildern ist groß. </p>
<p><strong>In etwa einem Jahr, vermutlich im Mai 2027, sind wieder Landtagswahlen in Nordrhein Westfalen. Wirst Du erneut für den Landtag in Düsseldorf kandidieren? Was sind dazu Deine Ziele?</strong></p>
<p>Ich werde mich in diesem Frühjahr bei den Kölner Grünen um eine weitere Nominierung bewerben. Beim letzten Mal habe ich meinen Wahlkreis in Köln Ehrenfeld/Nippes gegen den SPD-NRW Fraktionschef Jochen Ott und CDU-Minister Nathanael Liminski klar gewinnen können. Ich stehe neben meinen fachpolitischen Themen wie Bauen und Wohnen seit vielen Jahren für eine offen queere Sichtbarkeit im und außerhalb des Parlaments, und das in Zeiten, wo sich immer mehr Menschen ins Schneckenhaus zurückziehen.  </p>
<p><strong>Homophobe Gewalt gegen queere Menschen nimmt besonders in den Großstädten in er-schreckender Weise immer weiter zu. Warum bläst uns der Wind immer stärker entgegen? Welche Strategien siehst Du dagegen? </strong></p>
<p>In der Tat ist das Ausmaß der Gewalt und der Rückschritte erschreckend. Gleichzeitig merke ich, dass insbesondere vielen jüngeren Menschen oft die „Tools” fehlen, um sich effektiv zur Wehr zu setzen. Aus ihrer Erfahrung kannten sie bislang nur Zeiten der ständigen Fortschritte und Verbesserungen. Nicht ohne Grund posten viele derzeit in den sozialen Netzwerken Fotos aus dem Jahr 2016, als die Welt vermeintlich noch in Ordnung war. Ich bin Anfang der 90er Jahre, der Zeit von Aids, dem Paragrafen 175 und lange vor der „Ehe für Alle” bei Aktivist/innen wie Hella von Sinnen, Georg Roth und Rosa von Praunheim „in die Lehre gegangen”. Damals hieß es „Raus aus den Toiletten-Rein in die Strassen”. Heute muss gelten: „(Mal) Raus aus Grindr und Tinder, rein ins reale Leben und sich wehren”. </p>
<p><strong>Die schwarz-grüne Landesregierung in NRW hat die 2025 angekündigten Kürzungen der queeren Landesmittel und von Aids-Hilfe-Projekten nach großen Protesten ja weitgehend zurückgenommen und fördert weiter viele Community-Bedarfe. Wie beurteilst Du hier eure Queerpolitik bzw. das Erreichte der Landesregierung aus grüner Sicht? </strong></p>
<p>Ich habe in meiner Zeit im Landtag zwei Mal einen Regierungswechsel erlebt. Immer wenn wir Grüne in die Regierung zurück kamen, war die Landeskasse leer, weil vorher CDU/FDP das Geld in rauen Mengen für unsinnigen Straßen-Neubau etc. rausgehauen hatten. Trotzdem konnten wir jetzt die Mittel für freie Träger in der LSBTIQ-Community und der CSD-Förderung stabilisieren und in Teilen erhöhen. Ich habe mich in meiner Fraktion mit dafür stark gemacht, dass die vorherigen Kürzungen bei den Aidshilfen zurückgenommen wurden. Dies wurde auch erreicht, weil sich die queeren Verbände und die Aidshilfen engagiert und mit viel Einsatz gegen Einsparungen gewehrt haben.</p>
<p><strong>Steigende Mieten und immer größer werdende Wohnungsnot auch bei queeren Menschen rücken immer stärker in den Fokus. Was sagst Du dazu? Was unternimmt die schwarz-grüne NRW-Landesregierung dagegen? </strong></p>
<p>Das Finden einer bezahlbaren Wohnung ist die soziale Frage der heutigen Zeit. Steigende Mieten sind insbesondere in den Ballungszentren fast erdrückend. Wir haben als Gegenmaßnahme die Mietpreisbremse für die NRW-Kommunen massiv ausgeweitet und die NRW-Wohnraumförderung für den Bau von mietpreisgebundenen Wohnungen auf 12 Milliarden erhöht und damit trotz knapper Kassen fast verdreifacht. Gleichzeitig haben wir die Landesbauordnung deutlich entschlackt, um zügigen Um- und Neubau zu beschleunigen. Wir brauchen zügig zusätzliche und bezahlbare Wohnungen.  </p>
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		<item>
		<title>“… dass sie lesbisch ist, genügt, um  ihr das Sorgerecht wegzunehmen.”</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Feb 2026 20:30:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Top Story]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[dd. Bis in die 1990er Jahre konnten lesbische Mütter bei einer Scheidung das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren &#8211; Im FRESH-Interview spricht Historikerin Kirsten Plötz (Foto) über ihre neue Studie und das Schicksal tausender betroffenen Frauen in Deutschland. Frau Plötz, in Deutschland wurden lesbischen Müttern früher ihre Kinder weggenommen. Wie wurde das damals begründet? Warum [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>dd. Bis in die 1990er Jahre konnten lesbische Mütter bei einer Scheidung das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren &#8211; Im FRESH-Interview spricht Historikerin Kirsten Plötz (Foto) über ihre neue Studie und das Schicksal tausender betroffenen Frauen in Deutschland.</p>
<p><strong>Frau Plötz, in Deutschland wurden lesbischen Müttern früher ihre Kinder weggenommen. Wie wurde das damals begründet? Warum gab es kein Unrechtsbewusstsein?<br />
 </strong></p>
<p>Lesbische Liebe war an sich zwar nicht strafbar, galt aber lange Zeit als Unzucht. Eine gleichgeschlechtliche Beziehung der Mutter gefährdet das Kindeswohl, begründete z.B. das Oberlandesgericht Düsseldorf 1977 den Entzug des Sorgerechts. Das Kindeswohl konnte verschieden ausgelegt werden; so ließ das Amtsgericht Mettmann 1984 ein Kind bei der Mutter, die nach der Scheidung eine lesbische Beziehung eingegangen war, was wiederum auf Kritik stieß und auf andere Urteile traf. Ende der 1980er Jahre hieß es zu Recht, das Sorgerecht für lesbische Mütter sei wie russisches Roulette vor Gericht. Das war sogar in gewisser Weise eine Verbesserung, weil bis zur Reform 1977 eine Mutter, die durch ein lesbisches Verhältnis ‚Schuld‘ am Ende ihrer Ehe hatte, generell das Sorgerecht verlor.<br />
Auf vielen Ebenen wurde geschwiegen, weil dieses Unrecht nicht an einem speziellen Paragrafen hing, nirgendwo systematisch dokumentiert wurde und weil außerdem die Mütter das Sorgerecht eher behielten, wenn sie ihr lesbisches Leben strikt verleugneten. Viele Mütter blieben damit allein. </p>
<p><strong>Sie haben mit Betroffenen gesprochen und eine Studie dazu in NRW erarbeitet und gerade veröffenlicht. Was ist das Ergebnis Ihrer Forschung? </strong></p>
<p>Das Unrecht zeichnet sich immer deutlicher ab. Schon in der ersten Studie, mit Schwerpunkt Rheinland-Pfalz, wurde klar, wie eng das Ehe- und Familienrecht den Handlungsraum für lesbische Liebe einschnürte und wie sehr Mütter darunter litten. Das wurde nun noch deutlicher, und auch, welche Akteure dafür sorgten. Beim Blick auf Nordrhein-Westfalen zeigte sich außerdem, wie breit das in den Emanzipationsbewegungen aufgegriffen wurde. Weitere Fälle kamen hinzu, die das Gesamtbild erhellen. </p>
<p><strong>Wie geht es jetzt mit Ihrer Forschung weiter? Wird es irgendwann eine bundesweite Studie geben? Können sich Zeitzeug:innen und Betroffene bei Ihnen melden?</strong></p>
<p>Aktuell forsche ich über Sorgerechtsentzug in West-Berlin, zusammen mit Maria Bühner, die über Ost-Berlin forscht. Wer etwas dazu beitragen könnte, meldet sich bitte unter kontakt@sorgerecht-lesbischer-muetter.de. Nicht nur in Bezug auf Berlin, sondern für jede Region suche ich Zeitzeug*innen – betroffene Mütter, die Kinder, die Väter, Freund*innen, Sozialarbeiter*innen, Jurist*innen, Nachbar*innen und alle anderen, die irgendetwas von solchen Sorgerechtsentzügen mitbekommen haben. Es würde mich freuen, wenn sie sich melden und mir ihre Erinnerungen mitteilen und / oder Dokumente überlassen, selbstverständlich auf Wunsch komplett anonym. Stimmen und Dokumente zu sammeln, ist ein wichtiger Schritt. Bisher zeichnet sich eine bundesweite Studie leider nicht ab, aber ich hoffe darauf.</p>
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="5ecacWWkC1"><p><a href="https://queeres-netzwerk.nrw/neue-broschuere-zum-forschungsbericht-zum-sorgerechtsentzug-bei-lesbischen-muettern-zwischen-1946-2000/">Neue Broschüre zum Forschungsbericht zum Sorgerechtsentzug bei lesbischen Müttern zwischen 1946-2000 </a></p></blockquote>
<p><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Neue Broschüre zum Forschungsbericht zum Sorgerechtsentzug bei lesbischen Müttern zwischen 1946-2000 &#8220; &#8211; Queeres Netzwerk NRW" src="https://queeres-netzwerk.nrw/neue-broschuere-zum-forschungsbericht-zum-sorgerechtsentzug-bei-lesbischen-muettern-zwischen-1946-2000/embed/#?secret=2dmCXCMlhU#?secret=5ecacWWkC1" data-secret="5ecacWWkC1" width="600" height="338" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
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			</item>
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		<title>&#8222;Kürzungen bleiben Kürzungen&#8220;: Frank Müller, Queer-Beauftragter der SPD-Landtagsfraktion NRW im FRESH-Interview</title>
		<link>https://www.fresh-magazin.de/kuerzungen-bleiben-kuerzungen</link>
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		<dc:creator><![CDATA[u57388865]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 2026 00:22:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Community]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[dd. In der Dezemberausgabe der FRESH wurde über die geplanten Landesmittel für queere Projekte im Jahr 2026 berichtet. Dort erklärte die queerpolitische Sprecherin der Grünen, es gebe diesmal keine Kürzungen; an einigen Stellen würden die Mittel sogar erhöht. Frank Müller, Queer-Beauftragter der SPD-Landtagsfraktion NRW, zeigt sich über diese Darstellung irritiert und spricht im FRESH-Interview von [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>dd. In der Dezemberausgabe der FRESH wurde über die geplanten Landesmittel für queere Projekte im Jahr 2026 berichtet. Dort erklärte die queerpolitische Sprecherin der Grünen, es gebe diesmal keine Kürzungen; an einigen Stellen würden die Mittel sogar erhöht. Frank Müller, Queer-Beauftragter der SPD-Landtagsfraktion NRW, zeigt sich über diese Darstellung irritiert und spricht im FRESH-Interview von „grüner Schönmalerei“.</p>
<p><strong>Frank, Du wirfst den Grünen „Schönmalerei“ bei der Darstellung der Landesmittel für queere Projekte 2026 vor. Was genau meinst Du damit?</strong></p>
<p>Nach den massiven Kürzungen im vergangenen Jahr für 2025 – zu Lasten der Aidshilfen, von „MehrAlsQueer“ und durch die Abwicklung der Landesfachstelle für queere Senior*innenarbeit bei Rubicon – feiert sich die schwarz-grüne Koalition nun dafür, dass der Kahlschlag nicht weitergeht. Die genannte Erhöhung der Zuschüsse im LSBTIQ-Bereich bedeutet jedoch lediglich eine Rückkehr zum Stand von 2024. Inflationsbereinigt bleibt unter dem Strich ein deutliches Minus. Stillstand bedeutet Rückschritt.</p>
<p><strong>Das Niveau von 2024 ist zwar wiederhergestellt, aber es wurden ja auch Projekte wie bei der Aidshilfe Essen gestrichen, oder?</strong></p>
<p>Genau, die Folgen der Kürzungen in den letzten Monaten sind spürbar und eben nicht rückgängig gemacht worden: Die Fachstelle für queere Senior*innenarbeit bleibt geschlossen, zahlreiche Projekte der örtlichen Aidshilfen, wie in Essen, mussten eingestellt werden. Diese Strukturen sind verloren. Dass sich die Grünen dafür jetzt feiern, ist zynisch – gerade, weil sie die besondere Bedeutung dieser Angebote kannten. Für Selbstlob besteht also keinerlei Anlass.</p>
<p><strong>Was forderst Du mit Blick auf die kommenden Haushaltsjahre?</strong></p>
<p>Queerpolitik braucht Planungssicherheit und keine jährlichen Ausschläge nach Kassenlage. Wenn die Koalition auf neue Spielräume durch die Steuerschätzung verweist und damit die bloße Wiederherstellung des 2024er-Ansatzes begründet, stellt sich doch die Frage: Was passiert bei der nächsten finanziellen Delle im Landeshaushalt? Drohen dann erneut Kürzungen – und gelten sie dann wieder als unvermeidbar? Verlässlichkeit sieht anders aus.</p>
<p><strong>Stichwort Queerpolitik in NRW: Wie ist Deine Perspektive auf die schwarz-grüne Koalition und auf das neue Landesantidiskriminierungsgesetz?</strong></p>
<p>Das Landesantidiskriminierungsgesetz ist noch in der Entstehung, es liegt bislang nur als erster Entwurf vor und ist noch nicht als fertiger Gesetzentwurf im Landtag angekommen. Von daher bin ich auf die Einbringung des Gesetzentwurfes gespannt. Stand jetzt, also auf Basis des Referentenentwurfs, soll es zumindest in einigen Bereichen Fortschritte bringen. Daher hoffe ich, dass die Landesregierung gerade vor dem Hintergrund steigender Diskriminierungserfahrungen für viele Gruppen und gerade auch queere Menschen die Chance für wirkliche Verbesserungen ergreift und keinen Papiertiger abliefert. Wir als SPD werden das Gesetzgebungsverfahren konstruktiv begleiten.<br />
Insgesamt fällt mein Fazit zur Queerpolitik dieser Landesregierung gemischt aus. Wenige Fortschritte, vieles halbherzig, ein Schritt nach vorn, ein Schritt zurück. Große gesellschaftspolitische Würfe im Sinne der queeren Community sieht man einfach zu wenig. Auch die Umsetzung der Ergebnisse der Lebenslagenstudie in praktisches Handeln kommt viel zu langsam voran. Auch wenn man die Datenbasis der Studie kritisieren kann, so werden ja viele konkrete Fragen und Problemlagen aufgeworfen. Hier erwarten wir alle mehr Entschlossenheit.</p>
<p><strong>Wie beurteilst Du die Chancen im Bund, mit dieser Regierung den Artikel 3 des Grundgesetztes zugunsten von uns zu ergänzen?</strong></p>
<p>Das Problem liegt hier bekanntlich nicht bei SPD, Grünen oder Linken. Wir als SPD hatten das auch im Wahlprogramm, und es bleibt unsere Position. Leider haben sich die Vorzeichen mit dem Regierungswechsel im Bund verschlechtert. Ich sehe daher noch einen weiten Weg zur parlamentarischen Zweidrittel-Mehrheit für die notwendige Verfassungsänderung, wenn man sich den aktuellen Bundestag anschaut. Optimistisch stimmt die Initiative im Bundesrat von mehreren Bundesländern, mit der ein Gesetzentwurf zur Änderung des Grundgesetzes auf den Weg gebracht wurde. Ich weiß auch von vielen Kolleg*innen aus der CDU, dass sie das gern unterstützen würden. Insofern wäre auch zu überlegen, die Abstimmung im Bundestag freizugeben. Ähnlich wie seinerzeit bei der Öffnung der Ehe.</p>
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