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„Das ist alles unsere Lebenszeit”

„Das ist alles unsere Lebenszeit - Ältere Lesben und Schwule in der Coronakrise”. Mit einem Vorwort von Bettina Böttinger und Klaus Nierhoff. Interviews und Redaktion: Vera Ruhrus. Ein Projekt der Landesfachberatung Gleichgeschlechtliche Lebensweisen in der offenen Senior_innenarbeit in NRW. Hg. rubicon e.V., 93 Seiten. Download www.rubicon-koeln.de/alter-nrw/

cb. Neun ältere Menschen erzählen im Buch „Das ist alles unsere Lebenszeit” über ihre Erfahrungen in der Corona-Krise. Sie leben offen lesbisch und offen schwul. Die Älteste, Jahrgang 1938, erinnert sich noch an die Bomben im 2. Weltkrieg. Der Jüngste, Jahrgang 1965, ist geprägt von der Aidskrise und dem schmerzhaften Verlust vieler Freunde. Fragen an Vera Ruhrus, Interviewerin und Autorin.

Deine Gesprächspartner*innen berichten über ihre Erfahrungen während der Zeit zwischen dem ersten Lockdown im Frühling 2020 bis zum Jahresende. Welche Rolle spielt Corona für sie?

Die verschiedenen Stadien der Pandemie bilden sich natürlich in den Interviews ab. Viele waren es leid, sie fanden alles andere spannend. Sie wollten, so hatte ich den Eindruck, Corona auch ein Stück einhegen und nicht ihr ganzes Lebensgefühl davon beeinträchtigen lassen. Eine Interviewpartnerin meinte, „Corona kann ich gerade überhaupt nicht brauchen“, ein anderer betonte hingegen, bei ihm habe sich die Sicht auf die Politik und auf die eigene Verantwortlichkeit geändert. Er sieht die Pandemie als Weckruf, die Welt zu verbessern und solidarischer zu sein.

Die Interviewten kommen aus unterschiedlichen Regionen in NRW und sind mehr oder weniger stark verbunden mit der lesbischen oder schwulen Community. Welchen Stellenwert hat die Community für sie in dieser Zeit?

Es war tatsächlich nur eine Gesprächspartnerin, die betonte, wie wichtig ihr der Zusammenhalt in ihrem lesbischen Netzwerk sei, während die anderen eher von unterstützenden Kreisen sprachen und keine Hilfe von der Community erwarteten. Aber vielleicht ist der Community-Begriff auch zu abstrakt. Im Detail sieht das dann schon anders aus: Der eine vermisst die Saunakultur, der andere möchte eine schwule Seniorengruppe aufbauen, eine lebt auf einem Hof mit Lesben zusammen, und die Älteste schuf sich kurz vor Corona-Ausbruch eine Wohnzimmer-Runde mit befreundeten Lesben. Das ist ja doch alles Community.

Was hat dich überrascht?

Überraschend fand ich, dass das eigene Alter fast keine Rolle spielt. Es gibt ja bestimmte Grundannahmen, z.B. dass das Alter beschwerlich ist, dass vieles nicht mehr so eine Rolle spielt und statt-dessen die eigenen Befindlichkeiten zählen. Krankheiten sind eher kein Thema, dabei haben einige der Interviewten durchaus mit Krankheiten zu tun. Es wurde kaum gejammert! Beeindruckt hat mich die Verantwortung, die tiefe Ernsthaftigkeit der eigenen Biografie gegenüber. Alle stehen „mitten im Leben“, auch im Rückzug, in den eigenen vier Wänden. Sie haben Pläne für die Zukunft oder einfach nur für den nächsten Tag.

Du arbeitest mit narrativen Interviews. Was heißt das?

Im narrativen Interview wird dem Fluss des Erzählens gefolgt. Die Menschen öffnen sich, sie erzählen auch Dinge, die ich vorher nicht so auf dem Schirm hatte. Die Interviews in dieser Dokumentation sind eine Zwischenform: Sie sind einerseits sehr frei gestaltet, andererseits habe ich meine Gesprächspartner*innen zwischendurch auf Fragestellungen eingestimmt, die ich von der Projektleitung erhalten hatte.

„Das ist alles unsere Lebenszeit – Ältere Lesben und Schwule in der Coronakrise”. Mit einem Vorwort von Bettina Böttinger und Klaus Nierhoff. Interviews und Redaktion: Vera Ruhrus.
Ein Projekt der Landesfachberatung Gleichgeschlechtliche Lebensweisen in der offenen Senior_innenarbeit in NRW. Hg. rubicon e.V., 93 Seiten.
Download www.rubicon-koeln.de/alter-nrw/ Infos: carolina.brauckmann@rubicon-koeln.de
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