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	<title>Gesundheit &#8211; Fresh Magazin</title>
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	<description>Das Queer-Magazin für NRW</description>
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	<title>Gesundheit &#8211; Fresh Magazin</title>
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		<title>Der verhängnisvolle Gebrauch von sexuell stimulierenden Drogen durch schwule Männer</title>
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		<pubDate>Sun, 26 Jan 2025 13:46:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Community]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
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					<description><![CDATA[Der verhängnisvolle Gebrauch von sexuell stimulierenden Drogen durch schwule Männer Kar Anton Gerber im Interview: Neue Wege für schwule Männer, die auch ohne Drogenkonsum eine erfüllende Sexualität erleben wollen Herr Gerber, wie wichtig ist das Thema zur Zeit? Kann man in Bezug auf den Drogenkonsum von einer Epidemie sprechen? Hat sich das Konsumverhalten in der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der verhängnisvolle Gebrauch von sexuell stimulierenden Drogen durch schwule Männer</strong><br />
Kar Anton Gerber im Interview: Neue Wege für schwule Männer, die auch ohne Drogenkonsum eine erfüllende Sexualität erleben wollen</p>
<p><strong>Herr Gerber, wie wichtig ist das Thema zur Zeit? Kann man in Bezug auf den Drogenkonsum von einer Epidemie sprechen? Hat sich das Konsumverhalten in der COVID-Pandemie nochmal verändert? Wie stark sind queere Menschen betroffen?</strong></p>
<p>Schon mal gleich vorweg: Es gibt keine repräsentativen Zahlen für Deutschland. Die vorliegenden Daten zum Substanzkonsum queerer Menschen basieren auf freiwilligen Online-Befragungen. Dazu drei Ergebnisse aus unterschiedlichen Studien: In der europäischen Studie EMIS 2017 haben 3,6 Prozent der Teilnehmenden aus ganz Europa angegeben, im vorangegangenen Jahr Crystal Meth konsumiert zu haben. Die deutschen Zahlen liegen höher: Im German Chemsex Survey 2018 waren es 8,16 Prozent der Befragten, und in einer Hamburger Studie, die Anfang 2022 veröffentlicht wurden, gaben 13,8 Prozent der Teilnehmenden an, in den 12 Monaten zuvor Crystal Meth konsumiert zu haben. Unklar ist, ob diese unterschiedlichen Ergebnisse wirklich zeigen, dass mehr queere Menschen Drogen konsumieren, oder ob die Zahl der teilnehmenden Drogenkonsumenten in den Studien einfach unterschiedlich hoch war. Oder vielleicht trauen sich inzwischen einfach mehr Konsumenten, ihren Konsum anonym anzugeben?</p>
<p>Wenn man die Daten zu Crystal Meth übrigens mal mit den Zahlen für Cannabis (zw. 27 und 43 %), Poppers (48 &#8211; 61 %) oder Alkohol (in allen Studien über 90 %) vergleicht, glaube ich nicht, dass wir von einer Crystal Meth-„Epidemie“ sprechen können.<br />
Trotzdem ist die Lage ernst, weil wir in der Community nicht darüber sprechen, wieso für manche von uns Sex nur noch mit Substanzen geil ist, und wieder andere nur mit Substanzen überhaupt Sex haben können. Und da beziehe ich Alkohol, Cannabis, Poppers und andere Drogen wie Ecstasy, Kokain, Speed, G, Keta, 3mmc etc. ausdrücklich mit ein!</p>
<p>Wie sich das Konsumverhalten während der Pandemie verändert hat, lässt sich nur erahnen und von Untersuchungen aus der Gesamtbevölkerung ableiten. Eine Untersuchung zum Alkohol- und Cannabis-Konsum während der Pandemie ergab vereinfacht gesagt, dass Menschen, die schon vor der Pandemie viel konsumierten, während der Pandemie tendenziell noch stärker konsumierten. Bei allen anderen Gruppen blieb der Konsum eher gleich oder verringerte sich sogar.</p>
<p><strong>Wie problematisch sind Apps wie Grindr und Scruff? Wird hier ein Verlangen nach Drogen mit ausgelöst? Warum sind queere Menschen so empfänglich für synthetische Drogen/berauschende chemische Substanzen? Ist der Gebrauch verantwortlich für die hohe Zahl der HIV-Infektionen und anderer sexuell-übertragbarer Krankheiten?</strong></p>
<p>Grindr und Scruff an sich sind aus meiner Sicht nicht problematisch, im Gegenteil: Sie bringen Menschen mit ähnlichen Interessen, auch sexuellen Interessen zusammen. Natürlich unter anderem auch Konsumenten. Problematisch ist unser Umgang mit den Dating-Apps, übrigens meiner Meinung nach auch mit Gayromeo und Co. Uns Usern wird über die Suchfunktion vorgegaukelt wird, es könne das perfekte Match geben. Und weil ja immer irgendwas „mit den Typen nicht stimmt“, weil die Haare zu blond (oder zu schwarz), weil der Bizeps zu schlaff (oder zu stark trainiert), der Penis zu klein (oder zu groß, aua!), der Fetisch zu kinky (oder zu sehr blümchen), der Typ zu tuntig (oder zu macho) ist, werden die Besuche mit der Zeit immer frustrierender.<br />
Wenn man dann endlich mal mit einem coolen, sexy Typen chattet, passiert es nicht selten, dass der dann mit einem Mal offline ist, einen ghostet oder einfach ohne Ansage blockiert. Und egal wie dick unser Fell ist, diese Ablehnung tut weh.</p>
<p>Queere Menschen sind empfänglicher für Substanzkonsum, weil viele schon ihr Leben lang bewusst oder unbewusst spüren, dass sie nicht so richtig dazu gehören, dass sie anders sind. Menschen sind aber „Herdentiere“, wir sind auf die Verbindung zu anderen Menschen angewiesen. Besonders als Kinder lernen wir, uns anzupassen, damit wir nicht von denen im Stich gelassen werden, auf die wir zum Leben angewiesen sind. Häufig gehört zu dieser Anpassung, dass wir unsere queere Seite verstecken, uns dafür schämen.<br />
In der Community, auch auf den Online-Datingplattformen, setzt sich die Ausgrenzung dann fort. Als ich mit 52 zum ersten Mal Crystal Meth konsumiert habe, kam ich selbst für Männer Ende 40 wegen meines Alters nicht mehr für Dates in Frage. Und dass ich HIV-positiv bin, war für viele Männer auch ein Problem. Für die Männer, die ich im Konsum kennengelernt habe, war mein Alter und mein Immunstatus völlig egal. Ich war mit einem Mal Mitglied in einer völlig neuen Szene, und das fühlte sich anfangs ganz gut an.<br />
Mit der Zeit wurde ich aber auf Crystal Meth genauso egoistisch wie viele der Typen, die ich datete. Für etliche war ich einfach nur der Typ, der immer was Stoff da hatte, zu dem man konsumieren kam, um nach einer Stunde ohne mich weiterzuziehen. Und wer mich nicht zufriedenstellte, den hab ich rausgeschmissen, um mir ein neues Date klarzumachen.</p>
<p>Es gibt in Deutschland keine Studien, ob durch Chemsex die Zahl der HIV-Infektionen zunimmt. Die Deutsche Aids-Hilfe geht davon aus, dass es keinen Zusammenhang gibt, weil die Zahl der HIV-Infektionen seit etlichen Jahren sehr deutlich zurückgeht. 2007 gab es lt. Robert-Koch-Institut noch knapp 3.000 Neuinfektionen in der Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben, 2021 waren es etwa 1.000 Neuinfektionen.<br />
Wer sich mit dem Thema beschäftigt, wird aber feststellen, dass viele Konsumenten auch HIV-infiziert sind, die beinahe alle gut behandelt und unter der Nachweisgrenze sind, also kein HIV-Infektionsrisiko für ihre Sexualpartner darstellen.</p>
<p><strong>Was sind Ihrer Meinung nach die drei größten Hemmnisse, denen Menschen während der Genesung ausgesetzt sind? Sind die Ursachen und die Heilungsprozesse bei Chemsex-Sucht und Sexsucht verschieden?</strong></p>
<p>Das erste Hemmnis ist sicherlich der ganz natürliche Sexualtrieb des Menschen. Auch wenn gleichgeschlechtlicher Sex nicht dazu beiträgt, ist die biologische „Programmierung“ doch die Erhaltung der Art. Deshalb wird sexuelle Betätigung durch das Dopamin-System auch in besonderer Weise „belohnt“.<br />
Kokain, Ecstasy, Speed und 3- oder 4-mmc, all diese Substanzen verstärken diese Belohnung, doch Crystal Meth bewirkt eine enorme Dopamin-Ausschüttung. Für viele Konsumenten ist Sex ohne Droge nur noch langweiliges Blümchen-Zeug. Das Hirn „lernt“ im wahrsten Sinn des Wortes, dass Geilheit durch Konsum noch geiler wird, und dass umgekehrt aber auch durch den Konsum die Geilheit auch „eingeschaltet“ werden kann.<br />
Für die Genesung wird deshalb von David Fawcett, aber auch anderen Therapeut:innen, ein echter sexueller „Reset“ empfohlen, der mehrere Monate Enthaltsamkeit erfordern kann.<br />
Das zweite Hemmnis ist die große Scham vieler Konsumenten über ihre sexuellen Erlebnisse im Konsum. Das Dopamin-System ist unersättlich, und braucht ständig neue Reize. Viele Konsumenten lassen sich mit der Zeit auf immer härtere, wildere sexuelle Spielarten ein, auf die sie sich ohne Konsum niemals eingelassen hätten. Scham ist ein unangenehmes Gefühl, das einige dann auch nur durch erneuten Konsum bekämpfen können.<br />
Und drittens ist jeder Rückfall schwierig. Viele haben dann das Gefühl, versagt zu haben. Sie fühlen sich dazu verdammt, weiter zu konsumieren, weil sie persönlich nicht stark genug sind, ihren Suchtdruck zu kontrollieren.<br />
Scham, Versagensängste und Charakterschwäche sind dazu bei vielen von uns lebenslang antrainiert. Sich davon zu befreien, erfordert Geduld und Nachsicht mit sich selbst. Und Verständnis bei Freunden, Verwandten, Berater:innen und Therapeut:innen.</p>
<p><strong>Viele Städte bieten Anlaufstellen und Hilfe zum Ausstieg oder kontrollierterem Umgang. Was ist der beste Weg auszusteigen, welche Wege zeigt das Buch auf? Was ist das beste Rehabilitationsprogramm für MSM/Chemsex-User?</strong></p>
<p>Jeder Konsument muss seinen eigenen Weg finden, mit seinem Konsum umzugehen. Ich habe bei der queeren Suchtselbsthilfegruppe SHALK Menschen getroffen, die mir gute Tipps gegeben haben, was meine nächsten Schritte sein könnten. Und bei der Aidshilfe Köln habe ich unvoreingenommene Berater gefunden, die mich dabei unterstützt haben, meinen Weg zu finden. Für mich war der Ausstieg die einzige Option, kontrollierter Konsum kam für mich nicht in Frage.<br />
Bei Crystal Meth ist, ähnlich wie bei Kokain, Speed oder 3-/4-mmc, keine Entgiftung vorgesehen. Anders als bei Alkohol- oder Tablettenabhängigkeit gibt es keine körperlich gefährlichen Entzugserscheinungen, wenn die Substanzen nicht mehr konsumiert werden.<br />
Trotzdem kennen sicher viele Crystal Meth Konsumenten die depressiven Momente, die auf intensive Konsumphasen folgen. Wer Sorge hat, sich in solchen Momenten selbst Schaden zuzufügen, kann sich zum eigenen Schutz in eine Landesklinik begeben.<br />
Bei einer Drogenberatungsstelle können Konsumenten einen Antrag für eine Entwöhnungs-Rehabilitation bei der Rentenversicherung stellen. Die Bearbeitung kann im Rheinland schon mal gute drei Monate dauern, dazu kommt noch die Wartezeit auf die Klinik.<br />
Die salus klinik in Hürth bei Köln ist zur Zeit die einzige Reha-Klinik im deutschsprachigen Raum, die ausdrücklich ein Entwöhnungsprogramm für Chemsex-User entwickelt hat. Das Programm dauert in der Regel zwischen 18 und 24 Wochen, die Wartezeiten betragen mehrere Monate. Bei meinem letzten Kontakt habe ich erfahren, dass dort aktuell auch ein Entwöhnungsprogramm für Trans-Menschen entwickelt wird.<br />
Aber natürlich bieten auch andere Kliniken Drogen-Entwöhnungsprogramme an, sowohl stationär als auch im Rahmen von Tageskliniken. Welches Angebot das individuell geeignete ist, können Konsumenten mit ihren Drogenberater:innen besprechen.</p>
<p><strong>Glauben Sie das Buch kann bei einer Rehabilitation helfen? Wird durch die ermöglichte Reflexion und Selbsterkenntnis der „Weg aus dem Konsum“ unterstützt?</strong></p>
<p>Mir hat das Buch enorm geholfen: Ich habe jahrelang geglaubt, meine HIV-Infektion wäre für mich kein Thema mehr. Pustekuchen! Auch das Wissen um die neurologische Wirkung der Substanz im Gehirn, und was das für die Entwöhnung bedeutet, war für mich wertvoll.<br />
Und von den Kapiteln über die Geduld und Nachsicht mit mir selbst, über meinen eigenen perfektionistischen Anspruch kann ich bis heute immer wieder profitieren, wenn ich mal wieder unzufrieden mit mir selbst bin.</p>
<p><strong>Zu guter Letzt, was sind die Möglichkeiten, wie unsere Gemeinschaft sowohl diejenigen in Genesung als auch diejenigen, die Drogen nehmen, unterstützen kann?</strong></p>
<p>Wo fange ich da an: Zum einen, und das betrifft nicht nur unsere Community, muss unsere Gesellschaft lernen, dass Abhängigkeit eine psychische Erkrankung ist, die nicht allein durch Willensstärke in den Griff zu kriegen ist. Ein erster Schritt dazu könnte sein, sich mal zu überlegen, ob man sich das Wochenende in der Szene ohne Alkohol überhaupt vorstellen kann. Der Weg von der Gewöhnung zur Abhängigkeit ist häufig nur kurz.<br />
Als Community müssen wir uns aber sowieso die Frage stellen, wieso wir uns selbst zum Teil auch gnadenlos untereinander ausgrenzen, und wie wir übereinander sprechen. Wenn Drogenkonsumenten nur als „Junkies“ oder „Meth-Opfer“ wahrgenommen und abgestempelt werden, gibt es genug Gründe, in der Teilszene der Konsumenten zu bleiben, und wenig Anlass, sich auf den Weg der Entwöhnung zu machen.<br />
Menschen in der Entwöhnung trauen sich häufig nicht, über ihren Konsum oder ihre Erlebnisse im Konsum zu berichten. Hier unterstützen Selbsthilfegruppen. In NRW gibt es mit SHALK zum Glück auch eine queere Suchtselbsthilfegruppe, die Gruppen in Duisburg, Köln, Aachen und ganz neu auch in Essen anbietet. Aus der Corona-Zeit bietet SHALK auch noch ein Gruppentreffen als Zoom-Konferenz an.</p>
<p><strong><em>News: Neue Suchtberatung mitten im Ruhrgebiet </strong><br />
dp. SHALK e.V., die Suchtselbsthilfe und Beratung für Homo- und Bisexuelle in NRW, bietet seit langem in vielen Städten ehrenamtliche Hilfe von Betroffenen für Betroffene. Die Gruppen bieten Suchtberatung allgemein, Erstgespräche, Vermittlung zu Therapieeinrichtungen und in Fachkliniken sowie persönliche und telefonische Beratung. Ein neues Angebot startet dazu jetzt in Essen. Vorerst am letzten Montag im Monat von 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr in der Aidshilfe Essen im Café [iks]. Sie ist angelegt als eine Selbsthilfegruppe, die sich an queere Menschen richtet, egal ob man schon eine Abhängigkeit entwickelt hat, oder man glaubt, abhängig werden zu können. Ob es das Thema Chemsex, Alkohol, Drogen anderer Art oder aber auch alle anderen Abhängigkeiten betrifft. Andre und Sven sind selbst betroffen und wissen, wie quälend dieses Verlangen sein kann. Sie tauschen sich gerne aus und vermitteln, dass man mit seinen Ängsten nicht alleine sein muss. Mehr Infos: www.shalk.de</em></p>
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		<title>NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumannn: „Die Präventionsarbeit in Nordrhein-Westfalen ist vorbildlich und progressiv”</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2023 16:11:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Community]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[dd. Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, ist seit Jahren zuständig für den Themenbereich HIV und Aids. Wenn es nach der CDU geht, sollen die Mittel für Einrichtungen wie die Aidshilfen und Prävention um über 1 Million jährlich gekürzt werden. Doch die Grünen als Koalitionspartner der NRW-Landesregierung protestieren bei den [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>dd. Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, ist seit Jahren zuständig für den Themenbereich HIV und Aids. Wenn es nach der CDU geht, sollen die Mittel für Einrichtungen wie die Aidshilfen und Prävention um über 1 Million jährlich gekürzt werden. Doch die Grünen als Koalitionspartner der NRW-Landesregierung protestieren bei den zur Zeit laufenden Haushaltsberatungen lautstark. FRESH sprach mit dem zuständigen Minister Laumann über dieses Geld, die Präventionsarbeit und den Welt-Aids-Tag 2023.</p>
<p><strong>Herr Minister Laumann, welche Bedeutung hat der Welt-Aids-Tag für Sie persönlich? </strong></p>
<p>Der Welt-Aids-Tag ist Gedenktag für die an Aids verstorbenen Menschen. An diesem Tag können wir aber auch unsere Solidarität mit HIV-positiven und aidskranken Menschen zeigen. Das ist wichtig. Ich bin der Meinung, dass wir alle dazu beitragen können, die Ausgrenzung von Menschen mit HIV und Aids abzubauen. Jegliche Ausprägung von Diskriminierung darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Alle Menschen mit HIV haben ein Recht auf ein respektvolles und solidarisches Miteinander. In Nordrhein-Westfalen haben wir gute Hilfsangebote, auf die Betroffene und Interessierte bei Bedarf zurückgreifen können. </p>
<p><strong>Hat sich die Zahl der HIV-Erstdiagnosen im Vergleich zum Vorjahr verändert?<br />
Wie können alle dazu beitragen, dass die Ausgrenzung von Menschen mit HIV und Aids abgebaut wird?</strong></p>
<p>Die Zahl der HIV-Erstdiagnosen ist bundesweit gestiegen. In Nordrhein-Westfalen lässt sich eine leichte Zunahme der HIV-Erstdiagnosen erkennen. Im Jahr 2021 gab es noch 503 gemeldete Erstdiagnosen. Im letzten Jahr stieg die Zahl dann auf 591 gemeldete Erstdiagnosen. Dies ist aber zunächst kein Grund zur Sorge. HIV-Erstdiagnosen sind nämlich nicht gleichzusetzen mit neuen Infektionen. Eine Neudiagnose kann z.B. auch eine im Ausland erworbene Infektion sein, die dem betroffenen bereits bekannt ist. Alle Diagnosen, die in Deutschland erstmalig gestellt werden, werden als Erstdiagnosen registriert. Die Zahl der Neuinfektionen von 2022 wird uns erst Anfang 2024 zur Verfügung stehen. </p>
<p>Wir können alle dazu beitragen, die Ausgrenzung von Menschen mit HIV und Aids abzubauen: Nein zur Ausgrenzung. Ja zu Menschlichkeit und Solidarität. Jegliche Ausprägung von Diskriminierung darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Zu diesem Thema arbeitet das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) eng mit Akteuren wie beispielsweise den Aidshilfen in Nordrhein-Westfalen zusammen und fördert bewusst auch ihre Bemühungen zur Antidiskriminierung. Die Aidshilfe NRW mit ihren verschiedenen Netzwerken z.B. für Männer, die Sex mit Männern haben, für Frauen mit HIV oder für Menschen aus Subsahara-Afrika beantwortet nicht nur Fragen zu Themen rund um sexuelle Gesundheit, sondern setzt sich auch gegen Diskriminierung von Betroffenen ein.</p>
<p><strong>Im zurückliegenden Jahr haben wir in Deutschland eine ungewöhnliche Höhe Inflation verzeichnet. Auch deswegen steigen Personal- sowie Betriebskosten für die Aids-Hilfen. Wie wird die Landesregierung diesen Umständen gerecht, damit gerade kleinere Aids-Hilfen nicht schließen müssen?</strong></p>
<p>Die Landesregierung fördert jährlich die Arbeit zur Prävention und Beratung im Bereich HIV und sexuell übertragbarer Erkrankungen mit 5,2 Mio. Euro. Die spezifische Arbeit der Aids-Hilfen vor Ort wird insbesondere durch die finanzielle Förderung von Präventionsmaßnahmen, die auf den Alltag der verschiedenen Personen zugeschnitten sind, unterstützt. Das heißt Präventionsmaßnahmen, vor allem in der schwulen Community, für Menschen aus Subsahara-Afrika, drogenkonsumierende Menschen, in der mann-männlichen Sexarbeit und anderen Lebenswelten mit besonderem Risiko. In diesem Jahr waren das hierfür allein 1,2 Mio. Euro. Auch ein Teil der Mittel, die die Aids-Hilfen über die Kommunen erhalten, stammen aus dem Landeshaushalt, dies sind die sogenannten fachbezogenen Pauschalen. Daneben wurden aus dem Landeshaushalt 2023 300.000 Euro Billigkeitsleistungen an die Aids-Hilfen in Nordrhein-Westfalen ausgezahlt. Die Haushaltsverhandlungen für 2024 laufen derzeit noch. </p>
<p><strong>Wie beurteilen Sie die Präventionsarbeit in NRW? NRW ist ein Flächenland, wie kann gewährleistet werden, dass Prävention und Betreuung nicht nur in wenigen urbanen Zentren, sondern im ganzen Land stattfinden? Wie progressiv müssen Testangebote beispielsweise in schwulen Saunen oder auf Crui-singparkplätzen stattfinden?</strong> </p>
<p>Die Präventionsarbeit in Nordrhein-Westfalen ist vorbildlich und progressiv. Das Land stellt den Kommunen im Rahmen der fachbezogenen Pauschalen jährlich 2,34 Mio. Euro zur Verfügung. Die Kommunen entscheiden dann selbstständig über die Art der Verwendung der Mittel im Bereich der Prävention und Beratung zu sexueller Gesundheit. Damit erreichen wir eine Förderung in der Fläche. Es werden mit den Mitteln unter anderem die Arbeit der Aids-Hilfen unterstützt, aber auch Youth Work &#8211; ein Netzwerk von sexualpädagogischen Fachkräften in Nordrhein-Westfalen mit dem Schwerpunkt HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen.<br />
Wir finanzieren zudem die anonymen Tests auf HIV und sexuell übertragbare Erkrankungen, die in den Gesundheitsämtern für Personen mit besonderen Risiken angeboten werden. Über die Art und Intensivität der Angebote entscheiden die Kommunen und Aids-Hilfen eigenständig. </p>
<p><strong>Die Aidshilfen in NRW fordern ja vehement die Erhöhung der sogenannten Landespauschalen, um die Existenz der Aidshilfen zu sichern. Im Haushaltsentwurf für das kommende Jahr sind 1,2 Millionen Euro weniger eingestellt. Wie wollen sie die Aidshilfestruktur erhalten?</strong></p>
<p>Rein rechnerisch sind im Haushalt 2024 1,1 Millionen Euro weniger eingestellt als im Jahr 2023. Im Haushaltsentwurf wurde aber keine Kürzung der Mittel für die Aids-Hilfen oder der fachbezogenen Pauschalen für die Kommunen vorgenommen. Der Landtag hatte für 2023 als besondere Abfederung aufgrund der Corona-Pandemie 600.000 € zusätzlich für die Arbeit der Aids-Hilfen bereitgestellt. Sie dienten zur Abfederung der eingebrochenen Spenden und Einnahmen in der Coronazeit. Weitere Mittel waren für eine Projektförderung vorgesehen, die inzwischen ausgelaufen ist. Folglich ist der im Landeshaushalt bisher eingestellte Titelansatz keine Kürzung, sondern analog zu den bisherigen Haushaltsmitteln ohne gezielte Corona-Hilfen.</p>
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		<title>Tabuthema Sexsucht</title>
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		<pubDate>Mon, 30 May 2022 20:29:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
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					<description><![CDATA[Tabuthema Sexsucht: Wie erkennt man die Symptome, wie geht man damit um? cs. Felix ist mal wieder seit Stunden unterwegs. Auf seinem Laptop schimmert es blau, ab und an ertönt das bekannte „Quack Quack!“ aus den Lautsprechern. Eine neue Nachricht, eine neue Chance auf ein schnelles Date. Der 29-jährige Dortmunder sitzt jeden Abend vor dem [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Tabuthema Sexsucht: Wie erkennt man die Symptome, wie geht man damit um?</strong></p>
<p>cs. Felix ist mal wieder seit Stunden unterwegs. Auf seinem Laptop schimmert es blau, ab und an ertönt das bekannte „Quack Quack!“ aus den Lautsprechern. Eine neue Nachricht, eine neue Chance auf ein schnelles Date. Der 29-jährige Dortmunder sitzt jeden Abend vor dem Computer, sein Profil lässt er eigentlich immer online, auch tagsüber, wenn er auf der Arbeit ist. Das erhöht die Chancen, bereits bei der Heimkehr die ersten Mails checken zu können. Sein Profilstatus: Sex. Das ist es, was er sucht. Nichts anderes. Wie oft er erfolgreich ist? „Das ist sehr unterschiedlich. Das hängt vom Wetter ab, ob grad CSD ist oder Fußballweltmeisterschaft, und natürlich von der Uhrzeit oder ob es gerade ein Wochenende ist oder auch noch Vollmond“, erklärt der Datingprofi grinsend, der in seinem Profiltext eindeutig stehen hat: „Ich bin sexsüchtig!“ Ist es Sexsucht oder Internetsucht? „Sexsucht“, stellt Felix klar. „Wenn ich keinen F*** im Web finde, fahre ich oft noch raus zum Cruisen, ab zum nächsten Autobahnrastplatz. Oder in die Saunen oder Cruisingbars.“ Vier bis fünf Dates pro Woche sind sein oft erreichtes Ziel. Wenn das nicht klappt, ist er mit sich selbst sehr unzufrieden. Er habe halt alles zu bieten, “&#8230;was man zum guten Cruisen so braucht”, so der junge “Lüstling”, ohne näher darauf einzugehen, was er da genau meint.</p>
<p>Sexsüchtig zu sein, das klingt für manche erst einmal gar nicht so negativ. Im Gegenteil, es wird verbunden mit Potenz und großer Geilheit. Wer so viel Sex braucht, der ist bestimmt auch eine Granate im Bett. Sexhungrige Frauen kennen wir als Nymphomaninnen, die Männer sind Don Juans. Doch wer wirklich damit zu tun hat, für den wird die vermeintliche Lust zur schieren Last. Buchautor Patrick Carnes („Sexualität und Sucht“) definiert das Phänomen etwas genauer: „Nur ein außer Kontrolle geratenes Verhalten, das einhergeht mit den klassischen Anzeichen für Sucht – Besessenheit, Machtlosigkeit und die Benutzung von Sex als Schmerzmittel – weisen auf sexuelle Sucht hin.“ In der Medizin wird es als Hypersexualität bezeichnet.</p>
<p>Das Verlangen zeigt sich zum Beispiel in unkontrolliertem Genuss von sexuellen Stimulanzien wie Pornografie, Telefonsex oder übermäßiger Masturbation oder übermäßigen Sexualkontakten.<br />
Schwer „Sexsüchtige“ streben mehrmals täglich Orgasmen an, ohne dabei aber tatsächlich Befriedigung zu erlangen. Dies alles kann so weit gehen, dass Familie, Beruf und soziale Kontakte, die nichts mit Sex zu tun haben, vernachlässigt werden. Doch woran erkennt man „übermäßigen“ Sex?</p>
<p>Wenn ein 18-Jähriger sich mehr-mals täglich einen runterholt, ist das eher ein Zeichen seiner jugendlichen überschäumenden Libido. Verhält sich ein 50-Jähriger so, stimmt etwas nicht. Ob man selber in so einer Suchtfalle gefangen ist, lässt sich mit der Frage klären, ob es überhaupt noch Spaß macht, was man da anstellt. Für den Dortmunder Daniel, den FRESH auf Gayromeo sprechen konnte, verschwindet nach dem Abspritzen eigentlich nur Eines: Die innere Unruhe. Am nächsten Tag ist sie wieder da. „Meine Arbeit vernachlässige ich aber nicht, so schlimm ist es bei mir auch nicht!“ beteuert er.<br />
Der Münchner Diplom-Psychologe Gerd Mischke ist davon überzeugt, dass schwule Männer besonders häufig mit Symptomen der Sexsucht zu kämpfen haben. Das läge unter anderem daran, dass die „Verfügbarkeit der Droge“ höher sei. Sexpartys, Cruisingbars, Parks und das Internet: Es ist einfach, sich den Kick zu verschaffen. Zudem gehen Männer lockerer mit dem unverbindlichen Quickie um. Heteromänner schauen da oft neidisch rüber, für die schnelle Nummer müssen sie in der Regel viel Zeit oder Geld investieren. Der Psychologe nennt aber weitere Gründe: „Der Sex ist eine Ersatzbefriedigung für andere Bedürfnisse, die nicht ausgelebt werden können.“<br />
Sexsucht ist nicht so weit verbreitet wie Alkoholsucht, aber behandelt wird es ähnlich. Gerd Mischke: „Man schaut nach den Ursachen, wie ist sie entstanden? Was sind Defizite, die man damit auszugleichen versucht, welche anderen Bedürfnisse kommen zu kurz. Hat jemand Kontaktängste oder bezieht er sein Selbstbewusstsein nur durch seine Abschleppprate?</p>
<p>Man kann auch ein Verhaltenstraining machen, um seinen Trieb unter Kontrolle zu bekommen. Dieses Training sieht dann zum Beispiel ein Sexverbot vor. Man tauscht mit dem Partner zwar Zärtlichkeiten aus, aber geht nicht bis zum Äußersten. Wichtig ist es, wieder zu lernen, wie genussvoller Sex geht, der nicht einfach nur runtergeschlungen und konsumiert wird. Sex, bei dem sich die Personen aufeinander beziehen, gibt einem den wahren Kick. Das braucht aber alles eine professionelle Begleitung. Daniel will, so kündigt er an, auf jeden Fall bald mal beim Dortmunder Gesundheitsprojekt „Pudelwohl“ anrufen und nachfragen, wer ihm weiterhelfen könnte.</p>
<p>Anlaufstellen im Internet:<br />
Zentrum für sexuelle Gesundheit und Medizin, www.wir-ruhr.de<br />
Rosa Strippe Bochum:<br />
www.rosastrippe.de<br />
Queere Selbsthilfegruppen für<br />
Suchterkrankungen: www.shalk.de</p>
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		<title>„HIV 2022 hat nichts mehr mit HIV vor 20 Jahren zu tun”</title>
		<link>https://www.fresh-magazin.de/hiv-2022-hat-nichts-mehr-mit-hiv-vor-20-jahren-zu-tun</link>
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		<pubDate>Sun, 01 May 2022 09:04:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
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					<description><![CDATA[dar. Medizinisch gibt es für Menschen mit HIV kaum noch Einschränkungen. Die große Schwierigkeit sind aber Vorurteile gegenüber HIV, die sehr viele Menschen selbst aus der Community oder aus dem Gesundheitsbereich noch haben. Die Einstellungen haben sich in den letzten zwanzig Jahren eigentlich nicht geändert. Zu diesem Ergebnis kommt die zweite Auflage einer aktuellen Studie [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>dar. Medizinisch gibt es für Menschen mit HIV kaum noch Einschränkungen. Die große Schwierigkeit sind aber Vorurteile gegenüber HIV, die sehr viele Menschen selbst aus der Community oder aus dem Gesundheitsbereich noch haben. Die Einstellungen haben sich in den letzten zwanzig Jahren eigentlich nicht geändert. Zu diesem Ergebnis kommt die zweite Auflage einer aktuellen Studie der Deutsche Aidshilfe (DAH) und des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ). „Menschen mit HIV können heute leben, lieben und arbeiten wie alle anderen. Schwerer als die gesundheitlichen Folgen der HIV-Infektion wiegen für viele die sozialen Folgen. Ein Großteil der Befragten unserer Studie ist im Alltag weiterhin mit Diskriminierung, Ausgrenzung und Abwertung konfrontiert“, fasst Matthias Kuske, Projektkoordinator bei der DAH, die Ergebnisse zusammen. So machten 56% der online Befragten im letzten Jahr mindestens eine negative Erfahrung. 16% berichten, dass ihnen mindestens einmal eine zahnärztliche Versorgung verweigert wurde. 8% passierte dies bei allgemeinen Gesundheitsleistungen. Eine Konsequenz: Ein Viertel der Befragten legt seinen HIV-Status nicht mehr immer offen.<br />
Für die deutsche Umsetzung des internationalen „People Living with HIV Stigma Index“ gaben knapp 500 Menschen mit HIV in Interviews nach einem standardisierten Leitfaden Auskunft zu ihrem Leben mit HIV. Fast 1.000 HIV-positive Menschen haben zusätzlich einen Online-Fragebogen über ihre Diskriminierungserfahrungen und die persönlichen Folgen ausgefüllt. In Fokusgruppen wurden die Ergebnisse vertieft.<br />
Herausgekommen sind auch sieben Forderungen und 17 konkrete Handlungsempfehlungen. „Unsere Untersuchung zeigt klar, dass HIV in unserer Gesellschaft weiterhin mit einem Stigma verbunden ist. Wir brauchen weiterhin Aufklärung der Bevölkerung zu den positiven Folgen der HIV-Therapie sowie eine mediale Verbreitung vorurteilsfreier Erzählungen vom Leben mit HIV“, betont Dr. Janine Dieckmann, wissenschaftliche Projektleiterin beim IDZ.</p>
<p><strong>Interview mit Andreas Häner, dem kreativen Kopf der Studie</strong></p>
<p>dar. Andreas Häner aus Münster ist einer der Interviewer der neuen Studie. Das Besondere: Interviewer und Befragte waren beide HIV+. Wir sprachen mit Andreas, fragten ihn, warum er ausgewählt wurde und ob es Unterschiede für die eigene Lebensqualität macht, ob man sich in Bezug auf den HIV-Status outet oder nicht. Außerdem erzählt Andreas uns, was ihn so richtig wütend macht.</p>
<p><strong>Andreas, für die Studie positive stimmen 2.0 hast Du Menschen mit HIV zur HIV-bezogenen Diskriminierung befragt. Es waren Peer-to-Peer-Interviews. Du bist selbst HIV-infiziert. Wie wurdest Du Teil des Interviewer-Teams? Warum hast Du mitgemacht? </strong></p>
<p>So ganz genau weiß ich das gar nicht mehr. Ich bin in Sachen HIV aktivistisch unterwegs, unter anderem auch im Projekt Buddy.hiv – Deine Starthilfe für ein Leben mit HIV, und hier vor allem im Münsterland unterwegs. Die Interviewer wurden ja so gesucht, dass möglichst alle Regionen in Deutschland einigermaßen abgedeckt sind. Und so war ich dann für das Münsterland mit an Bord.<br />
Warum ich mitgemacht habe? Ich fand und finde, dass Stigmatisierung und Diskriminierung heute die zentralen Themen von Menschen mit HIV sind. Die medizinischen Fortschritte sind grandios, aber die gesellschaftlichen hinken da noch sehr stark hinterher. Mit HIV können wir leben, mit Vorurteilen nicht!</p>
<p><strong>Kannst Du uns den Ablauf eines Interviews kurz erklären? </strong></p>
<p>Nach der ersten Kontaktaufnahme haben wir uns an einem ruhigen Ort verabredet. Ich habe mich und das Projekt nochmal kurz vorgestellt, habe meine Verschwiegenheit ausdrücklich versichert und darauf hingewiesen, dass es jederzeit möglich ist, einzelne Fragen nicht zu beantworten oder die Befragung ganz abzubrechen.<br />
Dann sind wir Frage für Frage einzeln durchgegangen. Manche fragen wurden ganz kurz beantwortet, bei anderen entstand ein Gespräch über die erlebte Situation. Gemeinsam haben wir die Situation reflektiert, manches kam mir ja auch selbst bekannt vor oder kannte ich von anderen. Das wurde als hilfreich erlebt, dass andere Menschen ähnliches erlebt haben. Die Interviews dauerten zwischen einer und bis zu vier Stunden.</p>
<p><strong>War es schwer, HIV-Infizierte zu finden, die bereit waren für eine Befragung? Vielleicht waren einige der Befragten in Bezug auf HIV geoutet, andere nicht. Hast Du die Befragten in dem Fall unterschiedlich erlebt?</strong></p>
<p>Zunächst habe ich alle kontaktiert, die ich selbst kenne. Darüber habe ich die lokalen Aidshilfen im Münsterland und die Schwerpunktpraxen kontaktiert. Durch die Corona-Pandemie sind dann aber auch zunächst einige Interviews nicht zustande gekommen. Später dann gab es auch die Möglichkeit, über Zoom zu interviewen. Insgesamt war aber schon sehr viel Eigeninitiative notwendig, um an Gesprächspartner zu kommen.<br />
Es gab Befragte, die waren komplett, andere ein bisschen und auch welche, die (noch) gar nicht geoutet waren. Und ja, das hat einen Unterschied gemacht. Bei den Positiven Stimmen 2.0 ist herausgekommen: Je mehr jemand geoutet ist, desto weniger Stigmatisierung erlebt die Person. Vielleicht kann man sagen, dass bei den wenig Geouteten die Selbststigmatisierung höher war und bei den mehr Geouteten tatsächlich erlebte Diskriminierung im Vordergrund stand. Allerdings gibt es auch bei komplett Geouteten Selbststigmata. Immerhin haben etwa ein Viertel gesagt, dass sie sich aufgrund von HIV schämen bzw. schuldig fühlen. Fast zwei Drittel verstecken ihren HIV-Status vor anderen. Das vielleicht einzig Gute daran ist, dass es mit der Dauer der Infektion abnimmt.</p>
<p><strong>Was sind aus Deiner Sicht die überraschendsten Erkenntnisse der Studie?</strong></p>
<p>Für mich persönlich waren das vor allem die Aspekte rund um die Selbststigmatisierung. Vor allem bei den Antworten auf „Schämst du dich?”, „Fühlst du dich wertlos oder schmutzig?”, „Fühlst du dich schuldig?” war ich sehr berührt, betrübt und später dann richtig wütend. Für mich hat es zur Folge gehabt, dass ich mich selbst nochmal bei ganz vielen Menschen geoutet habe. Ich wünsche mir, dass auch andere durch die Interviews vielleicht die Kraft dazu gefunden haben.</p>
<p><strong>Warum gibt es heute in der schwulen Community nach wie vor Ablehnung, Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen mit HIV?</strong></p>
<p>Gute Frage: Vielleicht liegt es daran, dass das Wissen von n = n (nicht nachweisbar = nicht ansteckend) zwar in vielen Köpfen angekommen ist, aber noch nicht im Bauch. Ich denke mir, dass da vielleicht die gleichen Mechanismen der Selbststigmatisierung wirken, wie bei den Positiven. Wenn HIV-Positive Scham, Schuld, Verantwortungslosigkeit, Gefühle von Wertlosigkeit spüren und erleben, dann will ich mich davor schützen, denn es bedroht meine Integrität. Immer noch hört man den Satz „Wer sich heute noch infiziert, ist selber schuld!”</p>
<p><strong>Was sollte, was könnte die Community tun?</strong></p>
<p>Die Community sollte endlich mal zur Kenntnis nehmen, dass HIV 2021 nicht mehr mit dem HIV von zehn oder zwanzig Jahren zu tun hat. HIV ist heute eine gut behandelbare chronische Infektion. Unter Behandlung ist eine Ansteckung auch beim Sex nicht mehr möglich. Schuldzuweisungen, Beschämungen haben da nichts mehr zu suchen. Vielleicht reflektieren wir alle mal, was wir heute noch mit HIV verbinden. Menschen mit HIV sind ein Teil der Community. Mit HIV können wir gut leben, was es schwer macht, sind Vorurteile und Diskriminierung. Wir sind verantwortungsvoll, seid ihr es auch!</p>
<p><strong>Welche Veränderungen sind am dringendsten? </strong></p>
<p>Die Ergebnisse der Studie müssen jetzt breit bekannt gemacht und offen diskutiert werden. Die Forderungen und Empfehlungen daraus müssen zeitnah umgesetzt werden. Und jeder Mensch sollte wissen, dass HIV im Jahre 2021 nichts mehr mit den Bildern der 80er und 90er Jahre zu tun hat. Es hat z. B. lange gedauert, Sex mit Kondom als normal und verantwortungsvoll zu etablieren. Genauso konsequent und beharrlich muss auch Stigmatisierung und Diskriminierung öffentlich thematisiert werden.</p>
<p><strong>Was könnten HIV-Infizierte machen? </strong></p>
<p>Nun, vielleicht noch mehr Gesicht zeigen. Jeder in seinem Rahmen. Ich glaube, dass es noch viel zu viele in der schwulen Community gibt, die denken, dass sie niemanden kennen, der HIV+ ist. Aber ich weiß auch, wie schwer das ist, mit dem Gesicht zeigen. Was mir persönlich dabei geholfen hat, sind die Kontakte mit anderen HIV+ Menschen. Je mehr ich davon hatte, desto stärker bin ich geworden, und umso mehr weiß ich mich zu wehren. Ich erlebe die HIV-Community wirklich als Community.</p>
<p>Weitere Informationen und Download der Broschüre: www.positive-stimmen.de/ergebnisse</p>
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		<title>„Wichtig ist, sich nicht verrückt machen zu lassen”</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Sep 2020 09:35:47 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Professor Hendrik Streeck vom Uni Klinikum Bonn: Er forderte kürzlich einen Pandemie-Strategiewechsel und verkündete, dass die Sterblichkeit Ende 2020 nicht höher als in anderen Jahren liegen könnte. Aussagen, die andere Virologen in Deutschland zur Zeit nicht machen. Er betont, dass er kein Verschwörungstheoretiker ist, sondern, dass er immer rein wissenschaftlich analysieren und argumentieren würde. FRESH [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Professor Hendrik Streeck vom Uni Klinikum Bonn: Er forderte kürzlich einen Pandemie-Strategiewechsel und verkündete, dass die Sterblichkeit Ende 2020 nicht höher als in anderen Jahren liegen könnte. Aussagen, die andere Virologen in Deutschland zur Zeit nicht machen. Er betont, dass er kein Verschwörungstheoretiker ist, sondern, dass er immer rein wissenschaftlich analysieren und argumentieren würde. FRESH sprach mit  Hendrik Streeck u.a. über den Stand der HIV-Forschung und Covid19.</p>
<p><strong>dd. Hallo Hendrik, die erste Frage ist die gleiche wie beim letzten Interview: Was gibt es Neues bei der HIV-Impfstoff-Forschung?</strong></p>
<p>Man kann bei einem Impfstoff, ähnlich wie bei SARS-CoV2, erst wirklich sagen, ob der funktioniert, wenn man ihn getestet hat. Bei der HIV-Impfstoffforschung laufen derzeit zwei große Studien. Vorsichtig optimistisch bin ich beim MOSAICO-Impfstoffversuch, der derzeit in Europa und Amerika getestet wird. Im Affenversuch zeigte er zunächst einen Schutz in ungefähr 65 Prozent der Fälle. Er wurde dann weiterentwickelt und zeigt jetzt eine Effektivität von über 90 %. Natürlich kann man vom Affen nicht gleich auf den Menschen schließen. Nächstes und übernächstes Jahr wissen wir dann mehr.</p>
<p><strong>Hat eigentlich die Forschung nach einem Corona-Impfstoff die Forschung nach einem HIV-Impfstoff gebremst?</strong></p>
<p>Nein, das kann man so nicht sagen. Wir sind ja beim HIV-Impfstoff schon in der dritten Testphase, also weit fortgeschritten, und Corona beeinflusst nicht wirklich die Testung. Was aber leider passiert ist, dass einige Zentren die Rekrutierung von Probanden ein bisschen gestoppt haben.</p>
<p><strong>Welche Wechselwirkungen gibt es bei Erkrankungen von HIV und Corona, wenn beide Infektionen gleichzeitig auftreten?</strong></p>
<p>Es gibt keine bekannten Wechselwirkungen zwischen HIV und einer Corona-Infektion. Zunächst nahm man an, dass einige HIV-Medikamente auch vor Corona schützen könnten, aber das hat sich nicht bestätigt. Ein HIV-Positiver, der therapiert wird und das HI-Virus unter der Nachweisgrenze ist, hat kein höheres Risiko als ein HIV-Negativer.</p>
<p><strong>Ist Geschlechtsverkehr außerhalb einer Beziehung wirklich total unverantwortlich? Ist Sex nicht ein Grundrecht? Gerade haben Prostitutionsbetriebe gerichtlich ihre Öffnung erstritten. Was hältst du davon?</strong></p>
<p>Das Coronavirus ist Teil von unserem Leben geworden. Es kann gut sein, dass es Jahre dauert, bis wir einen guten Impfstoff haben. Wir müssen also einen Weg finden, damit zu leben, ohne den Alltag komplett zu pausieren. SARS-CoV2 wird vor allem dort häufig übertragen, wo viele Menschen zusammenkommen, feiern, rufen, singen oder sonst wie Aerosole und Tröpfchen abgeben. Aber jetzt generell zu sagen, man sollte abstinent sein, dass kann man nicht ernsthaft fordern. Ich glaube, wir müssen mehr auf Eigenverantwortung bauen. Je besser wir aufeinander Acht geben, und uns bewusst sind, dass beim Treffen auch Viren übertragen werden können, desto besser kann man auch gehäufte Übertragungen unterbinden. Wir können das Infektionsgeschehen nicht komplett aufhalten.</p>
<p><strong>Einige schwule Saunen in NRW<br />
wurden geschlossen, andere wiederum nicht. Ist das aus viraler Sicht notwendig oder diskriminieren die Ordnungsämter da nicht die queeren Saunabetreiber und deren Gäste?</strong></p>
<p>Ich glaube, man weiß noch sehr wenig über die Übertragungsmöglichkeiten in Saunen. Mir ist kein gesicherter Fall einer Coronavirus-Übertragung in einer Sauna bekannt. Größere Ausbrüche haben hier bisher offenbar nicht stattgefunden, das heißt aber nicht, dass es nicht sein kann. Wenn aber ein Saunabetreiber ein gutes Hygienekonzept präsentiert, wo es nicht zu großen Übertragungen kommen kann, dann finde ich, ist das mehr als einen Gedanken wert, dass man die Saunen wieder öffnen sollte. Wichtig ist, beim Sex das Risiko einer Ansteckung, wie auch bei HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten, zu minimieren.</p>
<p><strong>Das Maskentragen ist lästig und unangenehm. Würde es wissenschaftlich nicht ausreichen, wenn man sie nur beim Sprechen aufsetzen würde? Ist sie überall weiterhin sinnvoll, muss hier nicht mehr differenziert werden und mehr eigenverantwortlich gehandelt werden? </strong></p>
<p>Wir wissen, dass es z.B. im Supermarkt keine großen Übertragungsmöglichkeiten gibt. Die Frage, ob es nicht ausreicht, wenn man sie nur beim Sprechen aufsetzt, kann man &#8211; rein wissenschaftlich betrachtet &#8211; nicht vollständig beantworten, da die Datenlage noch zu dünn ist. Es ist eine grobe Vorsichtsmaßnahme, Feinheiten kann man abstimmen, wenn wir mehr darüber wissen. Wichtig ist, sich nicht verrückt machen zu lassen. Daher wünsche ich mir, dass wir gesellschaftlich an dem Punkt ankommen, bei dem wir in unserem gegenseitigen Umgang mehr Achtsamkeit zeigen, und Eigenverantwortung an den Tag legen. Wobei sich jeder immer die Frage stellen sollte, ob es in einer Situation sinnvoll ist, eine Maske zu tragen oder nicht. Wenn man zu diesem Punkt kommt, dann braucht es weniger Verbote, stattdessen Gebote, und das ist ein besserer Weg für einen gesellschaftlichen Zusammenhalt in diesem Marathonkampf gegen die Pandemie.</p>
<p><strong>Würdest du dich selber impfen lassen, sobald ein Impfstoff zur Verfügung steht? </strong></p>
<p>Das kann ich pauschal nicht beantworten. Ich bin ein Impf-Fan. Das ist mein Hauptforschungsschwerpunkt. Bei Corona hängt es entscheidend davon ab, welcher Impfstoff es ist, ob er lange genug getestet wurde, und was für ein Nebenwirkungsprofil vorliegt.</p>
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